Zwischen Karrierestress und Familienatmosphäre – Erste Eindrücke der Erstis

Quelle: Facebook-Seite der Zeppelin-Universität

In der Debatte um die ZU-Kultur braucht es neue, unvoreingenommene Sichtweisen. Wir haben deshalb einigen Erstsemestern Fragen zur Universitäts-Identität gestellt. In drei Monaten werden wir sie wiedertreffen, um zu erfahren, ob sich ihre Ansichten verändert haben.

Ausufernde Diskussionen über die Beschränkung studentischer Handlungsfreiheit, mangelnde Transparenz und den drohenden Verlust des hochgelobten Spirits – ein Blick in die Facebook-Gruppe der ZU genügt, um zu erkennen, dass sich diese mitten in der Identitätskrise befindet. Der neue Führungsstil des Präsidiums, der bisher vor allem durch Regulierungs-, Expansions- und Sparmaßnahmen geprägt war, stößt gerade bei Studenten der höheren Semester auf Ablehnung. Sie fürchten sich davor, dass die gemeinschaftliche Mitmach-Uni, die sie in ihren ersten Studiensemestern kennen und lieben gelernt haben, zur angepassten Elite-Institution verkommt. Solche Sorgen sind verständlich, der inneruniversitäre Diskurs darüber ist absolut notwendig. Jedoch besteht gerade bei einem so emotional aufgeladenen Thema wie der gesamtstudentischen Identität die Gefahr, den klaren Blick zu verlieren. Da werden Erinnerungen romantisiert, Sachverhalte beschönigt und Besonderheiten aufgrund alltäglicher Konfrontation gar nicht mehr als solche wahrgenommen. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, diejenigen zur aktuellen ZU-Kultur zu befragen, die diese noch am unbefangensten erleben. Futur drei hat hierfür mit sieben Erstsemestern über den Eindruck geredet, den die Universität nach den ersten Wochen bei ihnen hinterlassen hat. Das Ergebnis? Begeisterung über den ZU-Spirit und über eine familiäre, proaktive Studentengemeinschaft sind genau so weit verbreitet wie die anfänglichen Sorgen darüber, was genau es denn jetzt bedeutet, an einer privaten Universität zu studieren. Eigentlich also gar nicht so unähnlich zu den Gedanken, die man selbst noch aus seinen ersten Wochen an der ZU kennt. Aber lest selbst!

 

Vivien

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Futur drei: Du bist ja nun schon ein paar Wochen an der ZU. Welchen Eindruck hast Du bisher von der universitären Kultur und der Atmosphäre hier gewonnen?

Ich komme aus einer großen Stadt, aus Frankfurt. Dass man hier im Ländle schon Probleme hat um halb sechs nach Hause zu kommen war ein großer Schock für mich. Und ja, man ist hier jetzt wirklich auf einer privaten Universität, das ist keine staatliche  Uni…

Futur drei: Merkt man, dass man an einer privaten Uni ist?

Ja, das merkt man meiner Meinung nach stark. Ich habe davor zwar noch nicht studiert, aber mein ganzes Umfeld bestand meist eigentlich nur aus Studierenden an staatlichen Universitäten. Zusätzlich bin ich vom Grundprinzip her gegen Privatuniversitäten wie sie jetzt momentan sind. Eigentlich bin ich auch für die Abschaffung von privilegierten Bildungsbubbles. Und was ich bis jetzt so erlebt habe, da weiß ich gar nicht, ob ich da eine andere Position habe, ob das wirklich alles so bleiben soll.

Futur drei: Wie würdest Du denn den typischen ZUler beschreiben?

Das ist jetzt natürlich noch voller Vorurteile. Aber der typische ZUler hat einen akademischen Background und hatte vielleicht auch schon vorher die Möglichkeit, sich gut ausbilden zu lassen – auch in einer privaten Einrichtung. Viele hier nehmen meines Erachtens nach fälschlicherweise an, dass alle effektiv die gleiche Leistung erbringen mussten, um an einer Privatuni studieren zu können. Ich glaube, da bin ich mit der Meinung in derMinderheit und mache mir bestimmt auch Feinde. Aber vielleicht bin ich damit auch jemand, die das Ganze hier ein bisschen dadurch durchbricht, dass ich aus einem komplett anderen Background komme. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein bisschen anders aussehe. Ich vermute jetzt mal – ich komme ja aus der Nähe der Frankfurt School – dass es unter Privatunis ganz, ganz krasse Unterschiede gibt. Ich hatte auch mit ein Paar Leuten von der Frankfurt School zu tun, und die kamen mir sehr arrogant vor. Das sieht man hier nicht so sehr, ist aber trotzdem auch vorhanden.

Futur drei: Worauf freust Du dich im Studium?

Vielleicht komme ich jetzt rüber wie eine Streberin wenn ich das sage, aber ich freue mich zunächst wirklich auf die Vorlesungen. Ich freue mich darauf, etwas neues zu lernen und endlich etwas zu lernen, das mich wirklich interessiert. In der Schule haben mich auch viele Sachen interessiert, aber jetzt ist es nochmal viel expliziter, viel genauer. Hier lernt man ganz neue Systeme kennen und die Leute sind genauso neugierig wie man selbst. Sonst hätten die sich ja für eine andere Uni entschieden. Hoffe ich zumindest!

Futur drei: Also war die Lehre für dich der Grund, hierher zu kommen?

Ja. Wenn man Universität als Ausbildung versteht, und nicht nur als Wissensaufnahme, dann ist das hier eine sehr gute Universität. Weil man persönlich betreut wird, weil man die Dozenten kennt und die einem auch mal helfen, wenn man den Raum nicht findet.

Futur drei: Laut meineuni.de ist die ZU die Uni mit dem zweitgrößten Flirtfaktor deutschlandweit. Kannst Du das nach Deinen ersten Tagen hier bestätigen?

Oh ja! Ich war noch nicht einmal an der Uni, da hatte ich schon ein Date! Verrückt, oder?

 

 

 Sophia, Benedikt und Helen

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Futur drei: Was ist Euer erster Eindruck von der Atmosphäre und der universitären Kultur an der ZU?

Helen: Ich finde die Atmosphäre generell mega entspannt. Die Uni hat etwas von einer großen Familie, und sobald man sich ein bisschen daran gewöhnt, dass man nach ’ner Zeit jeden zumindest vom Sehen kennt, dann ist das echt ziemlich schön. Man fühlt sich hier ziemlich daheim.

Benedikt: Also ich find’s zwar entspannt was den Umgang mit den Leuten angeht, aber was die Aktivitäten angeht ist es eigentlich schon recht viel. Ob das jetzt mit der Erstiwoche und der Vorbereitung auf das Studium zusammenhängt weiß ich nicht, aber dahingehend habe ich es mir weniger dynamisch vorgestellt.

Sophia: Ich finde es unglaublich interessant, wie die älteren Semester die Erstis ansprechen. Die bekunden wirklich Interesse daran, was die Erstis so denken. Das kenne ich aus den Erzählungen meiner Freunde von anderen Unis Unis gar nicht. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Uni so klein ist. Aber das ist auf jeden Fall ein Pluspunkt bei mir.

Futur drei: Wie würdet Ihr den typischen ZUler beschreiben?

Helen: Vom Aussehen würde ich sagen: Man merkt bei einigen, dass Geld im Hintergrund ist. Aber vom Charakter fällt auf, wie bodenständig hier alle sind. Also, ich dachte mir: du gehst jetzt an ’ne Privatuni – mit was für Leuten hast du da jetzt zu tun? Aber es ist echt beeindruckend, wie zum Beispiel durch die Initiativen bekundet wird, dass man wirklich auch Interesse an sozialem Engagement hat. Hier hält man sich nicht nur in seiner snobistischen Welt auf, sondern hat einen weiteren Horizont.

Futur drei: Ist Euch irgendetwas aufgefallen, das ihr besonders oder komisch fandet?

Helen: Der Campus ist definitiv etwas besonderes. Der ist der Hammer! Die kleineren Räume, dass man immer wieder merkt, dass Rückzugsräume geschaffen wurden bei einem immer noch offenen Miteinander. Wir hatten aber diesen Vortrag über die kreative Performanz, den fand ich komisch. Ich fand den Kurs jetzt nicht schlecht – Yoga machen ist ja ok und bringt definitiv mal Abwechslung – aber die Idee dahinter, dass es einen darin fördern soll, kreative Ideen hervorzubringen, fand ich schon etwas sehr weit hergeholt.

Sophia: Besonders finde ich: egal mit wem man sich unterhält, man versteht sich eigentlich ziemlich gut mit dem. Ich hab hier selten erlebt, dass ich mir bei jemandem die Haare raufen könnte. Hier ticken zwar alle anders, aber in irgendeinem Sinne sind wir doch gleich.

Futur drei: Laut meineuni.de ist die ZU die Uni mit dem zweitgrößten Flirtfaktor deutschlandweit. Könnt Ihr das schon bestätigen?

Sophia: Gestern hat einer der Studenten die Uni mit einer Bäckerei verglichen. Das fand ich ein bisschen komisch. Aber ich glaube dadurch, dass das so eine kleine Uni ist und hier nicht so viel los ist, guckt man sich halt um. Wir sind alle jung und Studenten, das wird nicht anders sein als in anderen Städten.

Benedikt: Es ist eher gegeben als an anderen Unis, weil man hier vielleicht nicht mit so einem Tunnelblick rumläuft. In anderen Unis kommt man an, will schnell die Vorlesungen hinter sich bringen, und haut dann wieder ab. Hier hat man vielleicht noch die Augen offen für… andere Dinge.

 

 

 

Moritz

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Futur drei: Welchen Eindruck hast Du bisher von der universitären Kultur und der generellen Atmosphäre gewonnen?

Ich komme von einer englischen Schule, und es ist ein absoluter Kulturschock für mich. Weil man aus einem absoluten Lernumfeld in eine ganz durchgewühlte Gemeinschaft kommt. Es ist sehr wild, es ist sehr laut und es ist sehr unkoordiniert.

Futur drei: Wie würdest Du den typischen ZUler beschreiben?

Entspannt – manchmal zu entspannt – sehr auf Party aus und verrückt. Ich finde es gut, dass das hier so eine heterogene Gemeinschaft ist. Es ist eine sehr befruchtende Atmosphäre, aber gleichzeitig fällt es mir schwer mich an diese Mentalität zu gewöhnen, weil ich aus einem sehr disziplinierten Umfeld komme.

Futur drei: Was erwartest Du dir vom Leben in Friedrichshafen?

Ich bin sehr an das Dorfleben gewöhnt. In England habe ich in einer ganz kleinen Stadt gelebt, da war auch nicht so viel los. Friedrichshafen ist eine hässliche Stadt, aber es ist die Gemeinschaft, die es dann doch ausmacht.

 

 

Andi

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Futur Drei: Du bist jetzt schon ein paar Tage hier an der Uni und hast die Ersti-Woche hinter dir. Wie würdest Du die Atmosphäre beschreiben?

In der Ersti-Woche war es so, wie es auf Einführungsveranstaltungen eben ist – alles war ein wenig gezwungen. Aber irgendwie läuft dann schon alles. Als man mit den Leute aus den höheren Semestern in Kontakt gekommen ist, ist noch etwas mehr Selbstverständlichkeit in den Uni-Alltag gekommen. Manche von meinen Kommilitonen sind allerdings etwas gestresst, was ihr Studium angeht. Es gibt da Leute, die von Anfang an „Hilfe, Praktikum, Hilfe dies das…“ sagen.

Futur Drei: Das ist halt die ZU. Könntest du den typischen ZUler beschreiben?

Ne, den gibt’s nicht.

Futur Drei: Worauf freust du dich am meisten?

Meinen vielleicht etwas eingerosteten Kopf aufzubrechen.

Futur Drei: Warum ist der eingerostet?

Die letzten Jahre waren jetzt nicht so ultimativ anspruchsvoll bei mir. Ich habe wenig erlebt, was mein Weltbild über den Haufen geworfen hat. Es hat angefangen, sich in eine Routine rein zu manövrieren. Hier habe ich die Hoffnung, dass ein relativ begrenzter Kreis an Personen den Kontakt mit unterschiedlichsten Leuten vereinfacht und ich somit ein bisschen meine eigenen Ansichten infrage stellen kann.

Futur Drei: Was erwartest du so vom Leben in Friedrichshafen?

Ich habe keine Erwartungen und wollte das jetzt erst einmal auf mich zukommen lassen. Ich versuche unvoreingenommen an die Sache ranzugehen. Worauf ich mich auf jeden Fall freue ist die Strecke zwischen hier und München, meinen Heimweg, mit dem Motorrad zu fahren.

Futur Drei: Das Portal meineuni.de hat eine Umfrage darüber gemacht, was die beste Flirt-Uni ist, und die ZU ist auf den zweiten Platz gekommen. Würdest du das bejahen, dass man hier gut flirten kann?

Mir fehlt jetzt ein bisschen der Vergleich zu den anderen Unis, ob das wirklich die zweitbeste Uni bundesweit ist. Aber ich glaube man kommt schon irgendwie mit den Leuten ins Gespräch, wenn man es drauf anlegt.

 

Robin

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Futur drei: Welchen Eindruck hast Du bisher von der universitären Kultur und der generellen Atmosphäre gewonnen?

Mir hat es hier bisher sehr gut gefallen. Ich hatte davor schon einen Eindruck, hatte mich schon früh beworben und war dann danach noch ein paar Mal hier. Das Familiäre gefällt mir extrem.

Futur drei: Wie würdest Du den typischen ZUler beschreiben?

Das ist schwer, weil die Leute hier extrem unterschiedlich sind. Aber generell würde ich sagen, dass die Leute relativ offen sind gegenüber allem, sich auch auf jeden Fall engagieren und einbringen wollen.

Futur drei: Was erwartest Du dir vom Leben in Friedrichshafen?

Auf jeden Fall neue Erfahrungen. Im Studium, aber auch außerhalb. Neue Leute kennenzulernen und auch mal was Neues auszuprobieren. Das ist hier ja ein super Umfeld dafür, auch durch die ganzen Initiativen.

Futur drei: Laut meineuni.de ist die ZU die Uni mit dem zweitgrößten Flirtfaktor deutschlandweit. Kannst Du das schon bestätigen?

Als Flirtuni jetzt nicht direkt, aber man kommt sehr schnell mit den Leuten ins Gespräch. Zum Beispiel, indem man sich beim Mittagessen einfach mal mit höheren Semestern unterhält. Die Leute sind total offen und kommen auch mal auf einen zu.

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