Vader vs. Witcher – ein Tag auf der UniCon

UniCon Crowd 2020, Marco Janoschka

I never received my acceptance letter to Hogwarts, so I’m leaving the Shire to become a Jedi. Was sich nach T-Shirt-Spruch anhört, wird in Riga Realität. Einmal jährlich wird die UniCon, die größte Comic-Convention des Baltikums, in der lettischen Hauptstad organisiert; Nerds aus ganz Europa reisen an. futurdrei war für euch dabei.

Riga – Es ist Samstagmorgen und ungewöhnlich warm. Eigentlich sollte es im Januar -10°C haben, aber wir begnügen uns mit +7°C und Nieselregen. Katja und Eva haben mich als Begleitung zur Convention eingeladen. Treffpunkt: meine Wohnung. Als Sci-Fi Fan und Designer ist die Convention für Eva Pflicht. Über Wochen hinweg haben Katja und sie ihre Outfits entworfen – noch sehen die beiden recht harmlos aus. In weniger als einer Stunde wird sich jedoch zeigen, ob sich ihre Arbeit gelohnt hat und sie gemeinsam als Sith Lord und General des Final Order aus dem Star Wars Universum die Hobbits unterwerfen und den Witcher bezwingen können.

Während sich die beiden schminken, koche ich Geflügel-Kebab. Katja ist quasi von Beruf aus Nerd – ihre Passion: Gamedesign. Sie träumt davon, die Spieleentwicklung in Lettland auf ein neues Level zu heben. Leidenschaftlich schildert sie die Situation vor Ort: „Wir haben hier definitiv das Potential, aber es fehlt an Struktur und Unterstützung.“. Es geht nicht darum Blockbuster Games wie Fifa, Call of Duty oder die Elder Scrolls Reihe zu schlagen, sondern darum Innovation zu zeigen: Neue Spiele Konzepte und Begeisterung, statt high-end Grafik. Das Gespräch schwenkt über zu The Witcher. Wir fachsimpeln über das Design der nilfgaardischen Rüstungen.

Kurz darauf nehmen wir am Esstisch Platz. Mir gegenüber sitzt: Trilla Suduri, Second Sister aus Star Wars, inclusive Leibwache. Nach dem Essen fühlt sich das Böse gestärkt und macht sich mit mir als Anhängsel auf den Weg um Jedis zu jagen.

Jedi-Jagd im Furry Forrest

Das Messezentrum befindet sich auf der Insel Ķīpsala, sie liegt gegenüber der Altstadt und ist über eine Drahtseilbrücke zu erreichen. Das Event selbst findet seit 2013 ein- bis zweimal jährlich statt und wird von circa 80 Mitarbeitern organisiert. Der größte Fanblock gehört definitiv klassischen Animefans – sie machen ca. ein Drittel der Besucher aus – grundsätzlich ist aber jede Nerdin und jeder Nerd auf der zweitägigen Veranstaltung willkommen.

Schon bei der Garderobe werden wir von Fanboys umringt, die unbedingt ein Foto wollen. Wir durchstreifen die ‚Artist Alley‘ in der sich Künstler und Händler aus dem Baltikum präsentieren. Alle paar Meter werden wir angehalten – die Sith scheinen das beliebteste Fotomotive des Events zu sein und aus der Masse an Cosplayern herausstechen. Neben Anime-Charakteren wie Monkey D. Luffy trifft man hier alles, von Pestdoktoren bis Geralt of Rivia. Selbst eine Gruppe Furries hat sich auf die Con verirrt und bringt ein paar Kinderaugen zum Leuchten.

Nach etwas über einer Stunde entschieden wir uns für eine Pause in der LEGO Sektion. Etwas abseits vom Trubel stehen hier vier Tische mit einer Flut von LEGO Steinen – bereit für alle die eine kreative Pause brauchen. Während sich Eva das perfekte Haustier zur Eroberung der Galaxie zusammenbaut versuchen auch Katja und ich unsere Kreativität auszuleben. In der Zwischenzeit hat sich das Cosplay der beiden herumgesprochen. Nach unserer Pause trifft unsere kleine Gruppe leider keinen Jedi, sondern einen Jack Sparrow Verschnitt mit Papagei und Mikrofon, der bereits auf ein Interview gelauert hat.

Nerd vs. Langeweile – von Retro Gaming bis Turnierkampf

Während er meine Begleiterinnen interviewt, nutze ich die Gelegenheit den Rest der Messe zu erkunden. Erste Station: Retro Gaming. Zum Einstieg gibt es eine Fingerübung: Mario auf einem NES (Nintendo Entertainment System), der Legendären 8-bit Konsole von Nintendo, Baujahr 1987. Leider konnte ich keine Runde Warcraft 3 zocken – zum Ausgleich forderte mich das Orgateam zu Quake III Arena und einer runde CS auf. Nach nicht mal zwei Minuten war ich mitten im Spiel – Flashback zu Teenage LAN-Party Zeiten, nur Energydrink und Nick Nacks haben gefehlt.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist – mit einer Kill/Death-Rate von 1,7 stürze ich mich in ein neues Abenteuer. Der Jugger Lativia, veranstaltet in wenigen Minuten ein Tournier. Ich trage mich unter dem Namen Gerald in die Liste ein und wähle einen Zweihänder als Waffe – fünf Kämpfe bis ins Halbfinale. Nach zwei Siegen und zwei Niederlagenentscheidet der letzte Kampf ob ich zu den Finallisten gehöre – mein Gegner ist Mönch des Scharlachroten Ordens (WoW). Nach vier intensiven Minuten landet er schließlich mit seiner Stangenwaffe den entscheidenden Treffer.

Zwischenzeitlich sind meine Begleiterinnen aus einer weit, weit entfernten Galaxis eingetroffen und waren Zeuge, wie ich von einem 16-jährigen aufgerieben wurde. Während Eva mir im Nachgang Unterricht mit dem Laserschwert anbietet, scherzt Katja über unsere primitiven Waffen und reckt triumphierend ihre zum Blaster umgemodelte Nerf Gun gen Himmel. Scherzend gehen wir zum Highlight des Tages: den Kostümwettbewerb. Die Cosplayer stammen aus ganz Europa: Italien bis Ukraine, Schweden bis Schweiz.

Mein Fazit lautet: wer in der Nähe ist und Lust auf was Ausgefallenes hat, sollte das Event auf jeden Fall besuchen. Sie ist die ideale Einstiegs-Con für jeden Nerd to be. Die Größe ist überschaubar, das Angebot super und vor allem mit viel Liebe zum Detail. Neben Cosplay-Competition und Jugger-Turnier gibt es hier sogar eine eSports Meisterschaft, incl. Preisgeld, sowie Foto- und Kunstwettbewerbe. Kurzum: hier kommt wahrscheinlich so ziemlich jeder auf seine Kosten.

Ein letztes Mal durchstreifen wir die ‚Artist Alley‘, ein letztes Fotoshooting von einem Elfen-Lied-Fan in Ninja-Pose und wir packen unsere Sachen. Unser sechsstündige Nerdgasm ist vorbei. Mit Pizza und The Witcher, lassen wir den Tag gediegen ausklingen.

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