Unterschätzte Abwechslung: Vier Weihnachtsmärkte am Bodensee

Hafenweihnacht in Lindau. Foto: W. Schneider.

Jedes Jahr ist es das gleiche schlechte Timing: Klausurenphase und Vorweihnachtszeit fallen unbesinnlicherweise zusammen. Die vier Adventssonntage verstreichen und werden von Prüfungsstress überschattet. Manch eine*r schreibt seine*ihre letzte Klausur sogar zwei Tage vor Heiligabend. Weihnachtsstimmung kommt da – abgesehen von der studentischen Weihnachtsfeier im November – oft zu kurz. Ein kurzer Besuch auf dem Weihnachtsmarkt könnte Abhilfe verschaffen. Sei es, um eine Portion Käsespätzle zu verdrücken (Abendessen muss man ja schließlich auch in der Prüfungszeit) oder sich am Nachmittag ein paar Glühwein reinzustellen.

Futur Drei hat sich für euch auf weihnachtliche Erkundungstour begeben und auf vier verschiedenen Märkten der Region Glühwein getrunken, Raclette-Brote gegessen und die Finger abgefroren. Damit ihr es nur auf einem tun müsst.

Friedrichshafen: Der normale Klassiker

Bodensee-Weihnacht vor dem Häfler Kiesel.

Der Klassiker für einen schnellen Glühwein zwischendurch ist natürlich der Weihnachtsmarkt in der Friedrichshafener Fußgängerzone, „Bodenseeweihnacht“ genannt. Obwohl die umstehenden Häuser nicht gerade von zauberhafter Schönheit sind, schaffen die hölzernen Buden durchaus eine gewisse Atmosphäre. Sogar eine Krippe mit echten Tieren gibt es. Schöner wird es vor allem je näher man Richtung See kommt, zwischen Medienhaus und Zeppelinmuseum. Dort steht die Weihnachtspyramide, unter der man auch nach 20 Uhr – der offiziellen Schließungszeit des Weihnachtsmarktes – noch einen Glühwein bekommen kann. Direkt daneben betreiben Martl und Ander die „Südtiroler Stubn“; ihr mit heißem Raclette-Käse und Tiroler Speck bedecktes Bauernbrot ist ein kulinarisches Highlight. Ein Bühnenprogramm gibt es auch, kommenden Freitagabend (19.30 Uhr) tritt zum Beispiel der Chor der Zeppelin Universität auf.

Bis 21.12., Montag bis Donnerstag 12-20 Uhr, Freitag bis Sonntag 11-20 Uhr.

 

Schloss Friedrichshafen: Klein und stimmungsvoll

Am Schloss wird man von einem riesigen Engel bewacht.

Eine Alternative zum „großen“ Weihnachtsmarkt der Innenstadt ist der sehr kleine, aber feine Markt vor dem Häfler Schloss, „Advent im Schloss“. Bei der Handvoll an Ständen lässt sich kein exzessives Weihnachtsshopping erledigen, aber vielleicht gerade deshalb ist die Atmosphäre umso stimmungsvoller. Man kann Glühwein kaufen (Winzer-Glühwein der benachbarten Vinothek), man kann Essen kaufen, zum Beispiel Burger aus Wild, das auf den Gebieten des Herzogs von Württemberg geschossen wurde. Die Feuerschale wärmt und eine riesige Engelsstatue aus Metall wacht über einem. Mehr braucht es zur Besinnlichkeit eigentlich nicht. Der Weihnachtsmarkt geht allerdings nur noch bis Freitag (14.12.).

Bis 14.12., tägl. 16-20 Uhr.

 

Lindau: Schön und prächtig

Hafenweihnacht in Lindau. Foto: W. Schneider.

Um nach Lindau zu fahren, sollte man sich etwas Zeit nehmen. Der Ort ist nicht nur mindestens eine halbe Stunde entfernt, sondern hat auch einen sehr großen und sehr vollen Weihnachtsmarkt. Die „Lindauer Hafenweihnacht“ ist offensichtlich über Ländergrenzen hinweg bekannt; immer wieder hört man Leute Italienisch oder Englisch sprechen. Sie kommen zu Recht: Der Markt verläuft direkt am Wasser entlang, ist mit Sorgfalt dekoriert und ist in ganz winterlicher Manier in die beeindruckende Lindauer Hafeneinfahrt eingebettet, mit dem bayrischen Löwen und dem See dahinter. An den Buden gibt es das für Weihnachtsmärkte typische Kunsthandwerk. Einzige Enttäuschung: Das etwas fade Raclettebrot der Bude vom Pfänder. Dafür hat der Glühwein an dem Stand 10% Alkohol.

Bis 16.12., Donnerstag bis Sonntag 11-21 Uhr.

 

Konstanz: Der Besuchermagnet

Der Weihnachtsmarkt in Konstanz.

Auch nicht gerade um die Ecke ist der Konstanzer „Weihnachtsmarkt am See“. Aber wer bereit ist, die aktuell 14,50€ für den Katamaran auszugeben, kann vom Schiff direkt auf den Weihnachtsmarkt spazieren. Er erstreckt sich vom Hafen und den Park vor dem Konzil von Konstanz, über ein eigenes Weihnachtsmarkt-Schiff bis in die malerische Konstanzer Altstadt hinein. Rund 160 Buden sind es insgesamt laut Veranstalter, durchschnittlich 450.000 Menschen besuchen den Markt. Wenn der Weihnachtsmarkt in Lindau der schönste am ganzen Bodensee ist, ist der in Konstanz definitiv der Größte. Das dürfte nicht zuletzt auch an den vielen Schweizern liegen, für die Konstanz ein nahes und günstiges Shoppingparadies ist – in der Weihnachtszeit noch viel mehr.

Bis 22.12., Sonntag bis Donnerstag 11-20 Uhr, Freitag und Samstag bis 21.30 Uhr; Ess- und Glühweinstände immer bis 21.30 Uhr.  

Welcher Markt also ist für euch der richtige? Wer ausgiebig shoppen möchte, sollte nach Konstanz, wer es hingegen prächtig und beeindruckend mag, unbedingt nach Lindau. Für die Unprätentiöseren bleibt Friedrichshafen: Am Lagerfeuer vor dem Schloss mit simpler Romantik und Gemütlichkeit; in der Fußgängerzone auf dem klassischen, deutschen Stadt-Weihnachtsmarkt, der ein bisschen von allem bietet. Wahre Weihnachtsmarktfans können natürlich alle vier abklappern. Der Glühwein schmeckt sowieso überall.

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