Unsere Stadt? Häfler und Studierende in der Politik

Wie bringen sich Studierende in der Kommunalpolitik ein? Dieses Thema sollte gerade eine hochpolitisierte Universität wie die ZU mehr beschäftigen. Einen Monat vor der Oberbürgermeisterwahl hat sich Futur drei deshalb mit Alina und Leonard getroffen – die seit Längerem in der Stadtpolitik involviert sind. Alina als Vorsitzende der Grünen Friedrichshafen, Leonard als SPD-Mitglied und Verantwortlicher für Standortfragen im Senatorenteam.

Schon bei der Bedeutung kommunalpolitischer Institutionen herrscht Unklarheit. „Dafür gibt es den Gemeinderat“, antworten Leo und Alina auf viele unserer Fragen. Was genau der Oberbürgermeister tut und was das politische Gremium wissen viele nicht.

Die politische Ordnung Baden-Württembergs sei vor allem auf Stabilität ausgelegt, sagt Leo. Andreas Brand war vor seiner ersten achtjährigen Amtszeit in Friedrichshafen schon Bürgermeister in Böblingen und Weil im Schönbuch. Trotz der klingenden Ortsnamen wird Brands Stil eher als unspektakulär wahrgenommen. „Was ich herausgehört habe, war sehr viel Kontinuität, Bürgernähe, Bürgerkontakt“, sagt Alina über die künftigen Vorhaben Brands.

Die Verwalter-Medallie hat natürlich eine zweite Seite: Der Häfler Oberbürgermeister ist Vorsitzender der millionenschweren Zeppelin-Stiftung und sitzt in mehreren Aufsichtsräten. Leo spricht deshalb von einer „Angst vor einer Politisierung dieser Macht. Deshalb steht Brand auch gut da, weil er nie den Eindruck gemacht hat, er würde seine herausragende Macht in den Aufsichtsräten politisch nutzen.“

Abseits des Zeppelin-Konzerns und der wirtschaftlichen Ader der Stadt gibt es natürlich durchaus Bereiche, in denen politische Aktivität nötig ist. Und besonders was Kultur und Stadtleben angeht ist die ZU bereits tief in der Region verankert: Stichworte sind Seekult, Lange Nacht der Musik oder die BürgerUni.

Wie kommt es, dass trotzdem viele in der Blase am Fallenbrunnen bleiben?

„Es gibt eine große kreative Szene in Friedrichshafen, aber das bekommt man nicht mit, da kommt man nicht rein. Es gibt auch in der Stadtpolitik Leute, die freuen sich über jeden Input von jungen Menschen, Studierenden – ganz egal wem. Und wenn man mit den Leuten spricht, merkt man, dass die ZU als Institution manchmal problematisch ist – aber dass mit der ZU als Ort, an dem junge Menschen zusammenkommen, sehr positive Erfahrungen gemacht werden.“

Diesen Eindruck von Leo teilt auch Alina. Nach einigen politischen Praktika verspürte sie 2014 das Bedürfnis, sich auch vor Ort in die Politik einzubringen – und das ging schneller als gedacht. Es wurden neue Vorstandsmitglieder gesucht und Alina wurde freudig begrüßt: „Die Parteien freuen sich sehr über das Engagement von jungen Leuten und sind offen alle, die sich einbringen wollen.“

Denn an jungem Engagement fehlt es in den Ortsgruppen. Viele Studenten entscheiden sich für die Arbeit in rein inneruniversitären Initiativen, was angesichts der Lage der ZU am Fallenbrunnen nicht weiter verwundert. Trotzdem sorgt das für Lücken: „Es kann schonmal sein, dass auf einem Uni-Parteijugend-Treffen mehr Leute kommen als zu einer örtlichen Mitgliederversammlung. Das ist das Ding!“, berichtet Leo.

Momentan steckt viel Bewegung in den Beziehungen zwischen Stadt und Universität. Alle sind sich einig: Im Wahlkampf geht man lieber auf Kooperation statt Konfrontation. Und Leo erinnert daran, dass auch schon vorher manches untypisch schnell ging. Beim Emma-Projekt (Carsharing) ging beispielsweise die Verlängerung innerhalb weniger Tage über den Tisch – und von der Beschwerde über fehlende Parkplatzbeleuchtung bis zur Einrichtung dieser verging ca. ein Monat.

Also kann man sich kaum beschweren, oder? „Es tut der Demokratie nicht gut, nur einen Kandidaten zu haben“, ist sich Alina sicher. Deshalb sind sich alle einig, dass es zumindest symbolisch wichtig ist, drei Gegenkandidaten gefunden zu haben.

Wie auch schon die Philipp Fuhrmann – Unterstützer bei der Blauen Blume erkennen Leo und Alina allerdings keine Aufbruchsstimmung. „Am Ende des Tages kostet ein Wahlkampf immer viel Energie, viele Ressourcen“, sagt Alina mit Blick auf die fehlenden Parteikandidaten. Schnell wurde klar, dass ein Wahlkampf gegen Brand aufreiben und wenig erfolgsversprechend sein würde. Oder wie Leo es ausdrückt: „Wenn man am Ende 30 zu 60 Prozent verliert, ist das zwar ein stolzes Wahlergebnis, aber immer noch eine Schlappe.“

Somit kommt es zu einem Vierkampf um das Bürgermeisteramt – ohne, dass eine der Parteien offiziell einen Kandidaten stellt. Philipp Fuhrmann vom „Netzwerk für FN“ tritt für verschiedene Neuerungen im Bereich Bürgerbeteiligung ein, über Dominik Zehle, den Künstler und bis vor kurzem Letzten im Bunde ist noch nicht viel bekannt.

Diese Woche sammelte im Endspurt noch der Gastronom Andreas Theurer die nötigen 100 Unterschriften, um in den Ring zu steigen.

Egal, wie am 12. März gewählt wird, die politische Landschaft in Friedrichshafen muss unter dem neuen oder alten Bürgermeister weiterwachsen. Leo und Alina sind sich einig, dass das Potential riesig ist. „Mittlerweile ist das jüngste Mitglied des Gemeinderats Mitte 30“, erzählt Alina und fordert alle ZU’ler auf:

„Wir müssten lauter ‚hier‘ schreien“

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