Cremona

Lit Contest Platz 2: Wie steht es um Cremona?

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Schwarz, Grau, Weiß. Direkt über den Stadtmauern sahen sie so aufstrebend und  solide aus, als wollten sie den Himmeldurchstoßen. Ich schaute gebannt zu, als sie sich  kurz über dem Horizont lösten, bis nur noch vereinzelte Schwaden vergeblich  versuchten, einander festzuhalten. »Wie steht es um Cremona?« wollte Antonius Primus wissen und ich ritt los.    Als ich die Rauchsäulen zuerst durch die schwankenden Baumkronen des  angrenzenden Waldes sah, ging ich von Tod und Elend aus, wie es seit jeher ein Bürgerkrieg dieser Art mit sich brachte. Doch Cremona war anders.    Bereits mehrere Meilen vor den Toren brannte sich das Gemisch aus verdorbenem  Gestank und bitterem Qualm tief in meinen Rachen. Ich musste meinen Focale über  Mund und Nase ziehen, um durch meine wässrigen Augen sehen zu können. Die  umliegenden Flächen zierte kein Grashalm mehr; stattdessen teilten sich grobe  Holzsplitter, zerrissene Zeltleinen und etliche Leichen einen schweren Schlamm. Das meiste war so tief in den Boden getreten, wie es nur die wilde Masse einer tobenden  Armee vermochte.   Durch ihr Lager und bis in die Stadt wurde das führerlose Heer der Vitellianer  zurückgedrängt, bevor sie dort ihr unausweichliches Ende fanden. Primus war siegreich,  doch fürchtete er, was seine unkontrollierten Truppen dort angerichtet haben könnten.  …