Seekult | Leon Francis Farrow

Foto via Facebook, © Marie-Louise Haefner
Foto via Facebook, © Marie-Louise Haefner

Die Seekult-Band Leon Francis Farrow macht gefühlsverwirrten Indie, der fast schon an Kitsch grenzt – und dabei absolut hörenswert bleibt.

Das alljährige Seekult Festival geht in die nächste Runde und steht in diesem Jahr ganz unter dem Zeichen „Parallele Welten“. In diesem Sinne ist das musikalische Line-Up auch in diesem Jahr wieder bunt gemischt und bringt das beste aus unterschiedlichen Klangwelten zusammen. Ein kurzer Tauchgang in das Sammelsurium an musikalischen Facetten offenbart, dass auch ZU-Studenten zur akustischen Untermalung betragen. So blicken wir auf alte Bekannte, wenn wir der Luftschiffkapelle und ihrem Jazzprogramm lauschend, uns von swingendem Charme, improvisierten Zugaben und dem unverwechselbaren Lächeln ihres Trompeters Samuel Kiefer mitreißen lassen. Musikalische Repräsentation erfährt die ZU in diesem Jahr außerdem durch Nick Dodds und Elias Sedlmayr, deren Violinen- und Pianospiel so manchem Kenner die Tränen in die Augen treiben kann.

Für Fans des deutschen Hip Hops hat das Seekult Friedrichshafener Lokalgrößen an Land ziehen können. Powl & Crew werden nicht nur den Experten der hiesigen Rapszene ein Begriff sein. Mit ihren Track „Friedrichshafen”, beschreiben sie, eine gewisse Ironie nicht entbehrend, das Leben in unserem kleinen Städtchen am See beschreiben. Des Weiteren kann vermeldet werden, dass auch Borni, Zweipunkteins & Malimo aus dem Raum Stuttgart ihre Dosen kurz beiseite und das Mic fürs Seekult wieder in die Hand nehmen. Aus dem schönen Schwabenland geht es direkt in den Norden der Republik: Fischkopf und Hanseat SR DJ Hermo wird mit seinem Mix aus Love Parade Blüte, 80er Vice und Berlin Afterhour den Floor zum Brennen bringen.

Und dann ist da natürlich noch Leon Francis Farrow. Mit einem verträumten Blick auf dem Gesicht den vorbeilaufenden Menschen ein Lächeln schenken. Sonnenstrahlen auf der Haut spüren an einem sanften Frühlingsmorgen. So in etwa fühlt sich die Musik der Indie-Band an. Ihr aktuelles Album „King Future“ muss man nicht live hören, um mit einem Grinsen angesteckt zu werden. Wuchtige Gitarren wie in „The Liverpool deceased“ oder zur Bewegung animierende Stücke wie „Plaything“ zeichnen diesen Longplayer genauso aus wie Punk, Americana, Blues oder Folk. Ihr von beispielsweise Julian Casablancas und seinen Strokes oder auch Wilco geprägtes klangtechnisches Arrangement, gipfelt in einem vereinnahmenden eigenen Klangkunstwerk. Wenn an manchen Stellen ihr Debüt noch an Nick Cave´s theatralische Düsternis erinnerte, lässt „King Future“ mit vereinzelt poppigen Hooks und wesentlich eingängigeren Passagen aufhorchen. 

Unermüdlich und dezent megalomanisch hört man Phil Nehmet Neuigkeiten verlauten, die in ihrer Einfachheit doch wie alte Bekannte daher kommen. An dieser Stelle sei zitiert: „There´s too much Money in Sports and Art“. Materialismus wirkt grenzenlos überholt, beim unbemerkt vereinnahmenden Gedanken an ein schönes Mädchen an der Hand und gute Freunde im Herzen. An dieser Stelle drängt sich der Gedanke auf, den durchaus unironischen Pathos der Band mit Kitsch gleichzusetzen, doch sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass man sich damit der Möglichkeit berauben würde, seiner Laune freien Lauf zu lassen. Egal ob manisch, gut oder melancholisch, „King Future“ bietet ein fast postemotionales Erlebnis, dem man sich öffnen sollte und dem man sich öffnen muss. In ihrer unnachahmlichen Mannigfaltigkeit besingen Leon Francis Farrow in einem Moment das Verliebtsein und im nächsten wird „I´m about to cheat“ skandiert. In „Lily“noch zerbrochen und von Traurigkeit zerschmettert,  keimt die Hoffnung zum Ende mit „I know you’re going find a lover soon“ wieder auf . Auch wenn man bei der Suche nach einem homogenen Album „King Future“ großzügig übersehen darf, bietet es doch ein ganzheitlich beeindruckendes Bild – ein auf eine absurde Weise stimmiges Chaos. Reinhören lohnt sich – entweder noch vor dem Seekult oder am Samstagabend um 19 Uhr im Casino.

2 Comments

  • Lisa sagt:

    Ich habe nichts zum Inhalt zu sagen, nur darauf hin zu weisen, dass diesem Text ein gründliches durch lesen vor dem posten gut getan hätte. Vielleicht wollt Ihr den ja doch noch nacheditieren?

    • Ruben Drückler Ruben Drückler sagt:

      Hallo Lisa,
      versehentlich wurde die nicht-redigierte Version hochgeladen. Das hätte natürlich früher auffallen müssen.
      Vielen Dank für den Hinweis.

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