Renaissance oder Neuanfang?

Wir alle haben so lange auf die ersten Wochen am Campus hingefiebert und nun sind sie bereits vorüber. Vor allem für diejenigen, die neu an diese Uni gekommen sind oder bis jetzt noch nicht die Möglichkeit hatten sie zu betreten, ist diese Zeit eine völlig neue und vielleicht auch überfordernde Erfahrung. Dieses Semester ist für uns alle wieder ein Neustart und jeder von uns weiß, wie aufregend der Beginn an dieser Uni sein kann und wie verloren wir uns an den ersten Tagen hier gefühlt haben. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre, die einen hier empfängt und von der man schnell möglichst ein Teil sein will. Verständlich. 

Projekte wie die „Spirit Renaissance“ kommen da ganz gelegen, um sofort dabei zu sein. Es ist richtig und wichtig, dass auch oder vor allem die Semester, welche die Uni nie in Pre-Corona-Zeiten kennenlernen durften, aktiv das Unibild und die Stimmung am Campus mitgestalten. Es stimmt, unsere Universität erlebt gerade eine Art „Renaissance“, auch wenn der Begriff „Spirit“ in diesem Kontext diskutabel ist. Das sei jetzt aber mal dahingestellt. Es ist an uns, diese Universität neu zu erfinden und alte Gepflogenheiten und Werte wieder aufleben zu lassen, die vielleicht während der Corona-Zeit eingeschlafen sind.
Aber um nun zur Pointe des Ganzen zu kommen: Der Raum für Neues sollte mit Bedacht genutzt werden. Diese Uni hatte immer konkrete Werte, welche sie vertreten hat und auch nach außen tragen wollte. Das Miteinander der hier Studierenden stand dabei klar im Fokus. Die ZU war immer ein Ort, an dem man sich auf Augenhöhe begegnet und respektvoll behandelt. Wenn es nun darum geht, den „Spirit“ an diese Uni zurückzuholen, dann verstehe ich unter diesem Wort nichts anderes als den „Gemeinschaftsgeist“ der Studierenden. Ob ein reines Besäufnis oder gar eine online Tinder-Challenge dem zugutekommt, ist fraglich. Insbesondere ist es aber fraglich, dass diese „Challenge“ dazu verwendet wird, um sexistische oder anzügliche Kommentare zu verbreiten. Dieses Verhalten wird mit Sicherheit nicht dem Projekt gerecht, weder der Mühe die darin steckt, noch erfüllt es den Sinn und Zweck des Ganzen. Wenn „Spirit“ nun bedeutet gegeneinander anzutreten, anstatt ein miteinander zu schaffen, dann brauchen wir keine Renaissance. Viel mehr als sonst brauchen wir dann einen Neuanfang.

Es bleiben zwei Fragen offen.
Zum einen: Konnten die Werte und das Gefühl des miteinanders dieser Uni nicht an die Erstsemester überschwappen?
Zum anderen: Gibt es dieses miteinander und die damit kommenden Werte vielleicht so gar nicht mehr?  

Am Ende stehen wir vor einem leeren Raum und es ist an uns, diesen zu füllen und gemeinsam zu gestalten. Bitte lasst uns das bewusst tun und diesen Ort zu einem machen, an dem sich jeder wohl und gehört fühlt. Der Wille dazu ist da, wie man an der hohen Zahl der Teilnehmer:inen bei Projekten wie der „Spirit Renaissance“ erkennen kann. Also lasst uns diesen Willen und vor allem diese Werte auch offline an den Campus zurückholen und uns mit Respekt gegenübertreten.

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