REISKORN – Der wahre ZU-Frühlingsindikator.

Der Frühling hält Einzug an der ZU, doch woran machen wir das eigentlich fest? Für einige ist es die Umstellung auf die Sommerzeit, für andere das Blühen der ersten Blüten in den Betonboulevards Friedrichshafens, für wieder andere ist es die Möglichkeit, mit größtmöglicher Sonnenbrille über den Campus zu flanieren. Doch der wahre ZU-Indikator für den Frühlingsbeginn, das sind die Sonnenschirme auf der Dachterrasse, das sind die frisch polierten Holzbänke- und Tische auf dem Campus – kurz: Das ist unsere Outdoor-Garnitur. 

Garniert ist auch das Mittagessen, das die Mensa jeden Tag frisch zubereitet und das wir nun endlich wieder an der frischen Luft genießen können. In ganz neuem Licht erscheinen die wohlschmeckenden Speisen unter der strahlenden Frühlingssonne, die ihre Bahnen am Himmelsgewölbe zieht. Gewölbt sind auch unsere Nacken, wenn wir jetzt endlich wieder im Freien „arbeiten“ können – heißt: zwei Stunden mit dem Kopf zehn Zentimeter vor dem Display hängen, weil wir sonst nur das Spiegelbild unseres verkniffenen Gesichts zu sehen bekommen – dabei gehören die Zeiten, in denen wir unsere eigene verwirrte Visage – zwar in Kachelform statt in Vollbild – auf Bildschirmen sehen mussten, doch schon längst der Vergangenheit an! 

Doch oft sind es die unerwartetsten Momente, in denen die Vergangenheit wieder zuschlägt. So kamen einige sicherlich ordentlich ins Taumeln, als sie in der letzten Woche morgens aus dem bodentiefen Panoramafenster ihres Lofts sahen und dachten, sie seien plötzlich im tiefsten Winter aufgewacht. Starke Abstürze anderer Form können ZUler zwar erfahrungsgemäß gut meistern, doch wenn es sich dabei um die Temperatur handelt, gestaltet sich die Sache schon etwas herausfordernder. Doch sind es ja gerade gute Herausforderungen, die wir an der ZU so lieben – „fall in love with the problem“ hieß es vor einigen Monaten mal auf einer der Kreidewände. Ob sich das Problem „Wetter“ allerdings mit amourös-disruptiven Denken lösen lässt, ist aktuell nur ganz schwer zu sagen. Aus längst vergangenen Zeiten anti-akzelerationistischer Gesellschaften wird indes überliefert, dass eine ominöse Eigenschaft mit dem Namen „Geduld“ auch eine ziemlich zuverlässige Lösung darstellen könnte – angeblich muss man dafür nicht mal Akademiker sein. Doch solch veraltete Denkstrukturen aus Epochen, in denen Push-Benachrichtigungen noch an Holztüren ohne Fingerabdrucksensor genagelt wurden, können den komplexen Problemen heutiger Tage sicherlich nicht gerecht werden. Es bleibt also nur zu hoffen, dass uns der freie Markt in seiner unendlichen Schöpfungskraft schnellstmöglich eine technische Innovation offenbart, um uns von diesem Temperaturtief zu erlösen und in das heilige Land der frühlingshaften Wärmezustände zurückzuführen. 

Wenn es dann aber wieder soweit ist, mit Tablett und Tablet auf der witterungsbeständigen ZU-Outdoor-Möbelgarnitur zu verweilen, zeichnen sich bereits neue Probleme ab: Wie schaffe ich es, mein Tablett zu tragen, während ich mein Portmonee aus der Jacke fische, die ZU-Karte herausziehe, damit die Tür aufschwingen lasse, die FFP-2-Maske irgendwie hinter meinen Ohren befestige und das ZU-Bändchen aus den Untiefen meines Ärmels friemele, um am Check-In vorbeizukommen? Es ist ein wortwörtlicher Balanceakt.