Pioneers wanted oder Pioniere gewollt?

Die ZU hält große Stücke auf ihre Diversität und Internationalität. Ein unlängst ins Leben gerufener Masterstudiengang wirft jedoch Fragen ob der Vereinbarkeit von ausländischer Herkunft und Studium an der Universität auf.

Man stelle sich vor, man sei ein versierter und erfahrener Rennfahrer, eins und vertraut mit seinem Boliden und kurz vor Rennbeginn käme die Rennleitung daher und würde, entgegen vorher getroffener Vereinbarungen, mitteilen, dass man für das in Bälde beginnende Rennen nun auf das eigene Gefährt verzichten müsse, um auf ein anderes umzusteigen. Der geneigte Leser wäre mindestens irritiert, verstieße es doch nicht nur gegen die vor dem Rennen getroffene Abmachung, sondern würde auch die Chancen, das Rennen erfolgreich zu bestreiten, empfindlich schmälern, wenn nicht gar die Aussicht zunichtemachen, überhaupt ins Ziel zu kommen.

Ähnlich brüskiert müssen sich die Studierenden des neuen Masterstudiengangs International Relations & Global Politics (IRGP) gefühlt haben, als man ihnen in der Einführungswoche die frohe Kunde überbrachte, dass ebenjener Master, der groß damit beworben wurde, er sei komplett in Englisch gehalten, nun doch in weiten Teilen auf Deutsch stattfinden wird. Mit dem Unterschied, dass in ihrem Fall das Rennen besagter Master ist und das Fahrzeug die Sprache, in welcher sie annahmen den Master zu absolvieren; unter ihnen viele, die sich gerade aufgrund der, wie sich nun zeigt vermeintlichen, Englischsprachigkeit für das Programm und die Zeppelin Universität entschieden und jetzt wegen fehlender Deutschkenntnisse in die Röhre gucken. Denn: neben den Pflichtkursen sind dieses Semester lediglich fünf der acht Ihnen zur Auswahl stehenden Wahlkurse auf Englisch. Dies wohlbemerkt erst, nachdem sich Studierende an die Programmschaftsverantwortlichen wandten. Vorher standen ihnen nur sechs Wahlkurse zur Verfügung, von denen die Hälfte nicht auf Englisch angeboten wurde. Man muss der ZU jedoch zugutehalten, dass sie die Differenz an bereits entrichteten Studiengebühren, welche die IRGP-Studierenden im Vergleich zu PAIRlern mehr zahlen mussten – immerhin gut tausend Euro pro Semester – an die geprellten Ersties zurückgezahlt und die Studiengebühren angepasst hat.

Was aber bleibt, ist ein fader Beigeschmack. Wenn eine Hochschule wie die Zeppelin Universität, die so von ihrem Renommee lebt und profitiert, es nicht vermag, ihrem eigenen Angebot Genüge zu tun und bei ihrer ureigensten Funktion, der Lehre, Abstriche machen muss, liegt etwas im Argen. Dass die Zugeständnisse und Korrekturen erst auf Initiative der Studierenden erfolgten, verstärkt diesen Eindruck. Renommee spricht sich rum, Missstände und Planungschaos allerdings auch. Ein Vertrauensverlust, den sich die Uni eigentlich nicht leisten kann.

Richtigstellung: In der ersten Fassung hieß es, dass den Studierenden lediglich zwei von zehn Wahlkursen auf Englisch geboten werden. Auch auf den rückwirkenden und zukünftigen Erlass eines Teils der Studiengebühren wurde in der vorherigen Version nicht eingegangen. Der Autor hat dies korrigiert und bittet für den Fall etwaiger Verwirrung oder erlittener Empörung um Verzeihung und Verständnis.

2 Comments

  • Marie Klos sagt:

    Anmerkung dazu: die Studiengebühren für den IRGP Studiengang wurden inzwischen angepasst und die Studierenden haben eine Gutschrift für dieses Semester erhalten. Zudem wurden kurzfristig weitere englischsprachige Kurse für dieses Semester zur Verfügung gestellt. Dies sollte bitte erwähnt werden!

  • Leon sagt:

    Kleines Update: Die Uni hat mittlerweile die Mehrkosten an Studiengebühren zurücküberwiesen

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