Meine Stadt. Meine Uni. Meine Kneipe: ZU ● DHBW

An der DHBW gibt es nur weltfremde Fachidioten? Die ZU besuchen nur eingebildete Schnösel? Was ist dran an den Vorurteilen?

In diesem Format bringt Futur drei ZU’ler mit Vertretern anderer Friedrichshafener Institutionen an einen Tisch. In Doppelinterviews wird ein Einblick in den Alltag des jeweils anderen gewährt und über gemeinsame Erfahrungen und Gestaltungsmöglichkeiten gesprochen. Diese Woche zu Gast: Larissa, Studentin an der DHBW. Ihre Gesprächspartnerin ist Karina, 6tes Semester CCM.

Auf einer Skala von Eins bis Berlin – Wie gut gefällt euch Friedrichshafen? Fühlt ihr euch als Studenten der ZU/DH als Teil der Stadt?

Larissa: An sich ist Friedrichshafen eine schöne Stadt. Aber es gibt zu wenige Möglichkeiten für junge Leute. Es fehlt an Bars und anderen coolen Locations. Außerdem kommt man wegen der schlechten Verbindungen nachts nicht mehr mit dem Bus nach Hause. Ich fühle mich nicht so richtig als Teil der Stadt, weil ich eigentlich in Markdorf lebe. Allerdings wohnt mein Freundeskreis in Friedrichshafen, was einem schon das Gefühl von Heimat vermittelt.

Karina: Haha die Frage der Fragen! Meinen Wohnort habe ich in Facebook auf Friedrichshafen eingestellt. Ich fühle mich in der Stadt auch recht wohl. Ich mag die Natur sehr gerne. Davon bekomme ich hier viel zu sehen. Es gibt unbeschreibliche Sonnenuntergänge und die Sicht zu den Alpen in der klaren Winterluft ist der Wahnsinn. Ich finde hier am See zur Ruhe, wenn ich das brauche, und das ist toll! Das nutze ich, um meine Gedanken aufzuschreiben. Andererseits bin ich auch gerne ein aktiver Mensch. Ich liebe es, mich beim Tanzen zu Techno auszutoben. Friedrichshafen nennen wir diesbezüglich Friedhofshafen… ab 20:00 Uhr ist hier tote Hose. Nicht mal mit ihren Hunden gehen die Leute zu dieser Uhrzeit noch raus. Ab und an geht’s dann nach Ravensburg zum Feiern. Es gibt manchmal echt gute Acts. Ich würde sagen etwa auf der Höhe von Jena.

Eine Veränderung, die die Stadt für euch lebenswerter machen würde?

Larissa: Ein Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs. Vor allem abends sind die Verbindungen sehr schlecht. Es muss immer jemand Auto fahren, das stört mich.

Karina: Ich hätte gern einen Ort, wo Leute ausgelassen zusammenkommen können. Nicht jeder hat ein super Wohnzimmer in der WG und ab und an würde ich auch gerne andere Leute als die von der Uni kennenlernen. Ein Ort, der vom Austausch untereinander lebt und etwas abgekoppelt von der Uni ist. Es dreht sich dann doch sehr viel bei uns um die Uniumgebung. Das ist positiv und einengend zugleich. Da bin ich etwas neidisch auf die DHler. Ich bilde mir ein, sie hätten mehr Abwechslung durch die Arbeits- und Studierphasen.

Würdet ihr euch wünschen, dass Studierende der DHBW und der ZU enger zusammenarbeiten, um die Stadt studentenfreundlicher zu machen? Wie könnte eine solche Zusammenarbeit aussehen?

Larissa: Theoretisch könnte ich mir das schon vorstellen. Es wäre aber sicher viel Aufwand und ich bin mir nicht sicher, ob die Umsetzung klappen würde. DHBW-Studenten haben immer sehr viel zu tun, ich glaube, den ZU Studenten geht es da nicht anders. Außerdem fällt mir spontan auch keine passende Projekt-Idee ein.

Karina: Tatsächlich habe ich auch schon daran gedacht. Als ich bei der letzten Blutspende ausgeholfen habe, fand ich es ziemlich cool, dass so viele von drüben gekommen sind. Ich sollte mit den Spendern reden, während ihr Blut abgepumpt wurde. Dadurch hatte ich viele 15-Minuten-Gespräche. Ihr DHler scheint echt korrekt zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass manche auch Interesse an unseren Initiativen haben könnten. Es gibt beispielsweise eine Initiative, die sich dem Thema Digitale Bildung widmet. Letzten Sommer habe ich dadurch Programmierskills erwerben können. Auch die Events und Workshops der Startup Initiative könnten verlockend sein. Das Angebot steht theoretisch für jeden offen. Wir sollten uns in der Hinsicht mehr öffnen, indem wir Events auch drüben bewerben und über die richtigen Kanälen kommunizieren.

Kommen wir auf eure Studiensituation zu sprechen. Diesbezüglich könnten DHBW und ZU kaum unterschiedlicher sein. Unter anderem müssen ZU’ler für ihre Studiengebühren selbst aufkommen, DH’lern hingegen wird das Studium von ihren jeweiligen Unternehmen finanziert. An Larissa: Lacht ihr uns heimlich aus? An Karina: Lohnt sich das teure Studium doch irgendwie?

Larissa: Bei uns bekommen gar nicht alle die Studiengebühren finanziert, das hängt vom Unternehmen ab. Sie sind aber geringer als an der ZU. Ich würde auch nicht so viel Geld für mein Studium ausgeben. Vielleicht wäre es anders, wenn ich mir das problemlos leisten könnte. Es ist auch einfach sehr angenehm, jeden Monat ein Gehalt zu bekommen. Das ist als Student ja nicht selbstverständlich.

Karina: Wer fleißig jodelt kann sich schon denken, dass DH‘ler uns eher für gut situiert halten. Da wird mit dem Stereotypen Justus – Papa ist Anwalt und sorgt für das Jetset-Dasein – gestichelt. Ich weiß wirklich nicht, wie DH’ler dazu denken. Ich kann nur für mich sprechen: die Investition in meinem Studium bereue ich keineswegs! Mich treibt Neues richtig an. Ich brauche aber eine Umgebung, in der ich auch motiviert bleiben kann. Eine 500 Mann Vorlesung in München wäre für mich keine Option gewesen. Für ein duales Studium wäre ich damals noch nicht bereit gewesen. Das ist wahrscheinlich etwas für Leute, die schon wissen, wo sie hinmöchten. Ich bin nach Interessen und Wohlfühlfaktor meinen Weg gegangen. Ich fühle mich wohl, wo ich gefordert und gefördert werde. Ich habe in dieser Uni viel von Anderen und auch über mich selbst gelernt. Diese Erfahrungen und meine persönliche Entwicklung sind für mich weit mehr wert als das Geld für einen Neuwagen.

Auch der Schwerpunkt der beiden Hochschulen ist verschieden: Die ZU stellt Theorie und Forschung in den Mittelpunkt, während das Studium an der DHBW zur Hälfte aus Praxisphasen besteht. Habt ihr Angst, nach eurem Abschluss in dem einen oder anderen Bereich Defizite zu haben?

Larissa: Nein. Einfach, weil ich glaube, dass Arbeitserfahrung und Praxis im Arbeitsalltag wichtiger sind. Forschung und Theorie sind schön, aber in meinem und vielen anderen Berufen nicht so wichtig wie die Arbeitserfahrung, die ich in meinen Praxisphasen sammeln konnte.

Karina: Es heißt oft: „Probieren geht über Studieren“. Ich glaube wirklich, es ist sinnvoll Arbeitserfahrungen zu sammeln während des Studiums. Viele Kompetenzen werden dadurch erworben und der Bezug zur Praxis hilft einem bestimmt dabei sich in den Theoriekonstrukten zurechtzufinden. Angst, ein Defizit zu haben, wäre trotzdem übertrieben. Wir absolvieren hier auch Praktika in den freien Monaten und über Engagement in Initiativen oder Gruppenarbeiten wie das Zeppelin-Forschungsprojekt durchlebt man Hochs und Tiefs in den Teams. Wir lernen, miteinander zu arbeiten und unsere Rollen besser einzuschätzen. Das Arbeitsleben wird erstmal eine spannende Herausforderung.

Ist es für die Zukunft relevanter, sich im Studium mit technologischem Fortschritt auseinanderzusetzen oder gesellschaftliche Verhältnisse zu hinterfragen?

Larissa: Beides ist wichtig und spielt eine Rolle, weil es auf die Unternehmen einen Einfluss hat. Man sollte deshalb einfach das studieren, was einen am meisten interessiert.

Karina: Ich würde auch hier keinen Schwerpunkt bevorzugen. Technologischer Fortschritt ist faszinierend. Er bietet Lösungen für so viele Probleme in unserer Gesellschaft aber er bringt die gewohnte Ordnung auch durcheinander. Innovation geht einher mit Verantwortung. Dadurch überschneiden sich viele Bereiche. In einer vielversprechenden Zukunft wird es immer ein Auge auf die Gesellschaft geben. Denn sie lebt auch von sozialer Innovation und Anpassung. Deswegen ist es wichtig, sie zu verstehen.

Im Alltag gibt es eher wenig Berührungspunkte zwischen den beiden Hochschulen – einmal im Semester eine gemeinsame Party, sonst sieht man sich höchstens noch bei Sportangeboten. Woran liegt das? Welche Erfahrungen habt ihr bei gemeinsamen Veranstaltungen gemacht?

Larissa: Gemeinsame Veranstaltungen habe ich noch nicht besucht. Ich habe deshalb keinen bestimmten Eindruck von den ZU-Studenten. Ich kenne nur zwei ZU-Studentinnen, die sind aber beide sehr nett.

Karina: Von den gemischten Teams bei Sportangeboten habe ich gehört und das soll wohl gut klappen. Ich weiß es gar nicht. Vermutlich hat sich da noch keiner genug für eine aktive Annäherung eingesetzt. Ich hatte mal einen DH‘ler als Nachbarn. Unsere Prüfungszeiten liegen versetzt und wenn man anfängt was zu unternehmen, müssen sie in die Praxisphase. Wir sollten unseren Alltag gegenseitig kennenlernen und mehr Berührungspunkte schaffen.

Ab und zu kommen DH’ler zum Mittagessen an die ZU. Ist die Mensa wirklich so viel besser?

Larissa: Essen war ich an der ZU noch nie, ich habe aber auch noch nie in unserer Mensa gegessen. Ich gehe für den Preis lieber zum Bäcker oder nehme mir etwas von Zuhause mit. Wenn unsere Mensa so ein großes Angebot hätte wie die an der ZU würde ich dort vielleicht ab und zu essen, allerdings auch nicht jeden Tag. Dafür wären mir die 3,80 Euro zu teuer.

Karina: Haha, dazu kann ich nichts sagen. Eure Dozenten feiern unsere Mensa sehr!

Gibt es Momente, in denen ihr denkt: „Mensch, wäre ich doch an der ZU/DHBW“? 

Larissa: Nein eigentlich nicht. Höchstens wenn die ZU-Studenten Semesterferien haben und ich nicht. Drei Monate Semesterferien sind natürlich deutlich angenehmer als nur 30 Urlaubstage im Jahr.

Karina: Dienstagabend dröhnt immer Musik aus eurem Container während eure Lichterketten meinen Weg zur Bushaltestelle erhellen. Ihr scheint dabei sehr viel Spaß zu haben!

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