Leuchtreklame für die Leichtigkeit des Seins

Im Rahmen der Eröffnung des diesjährigen Kunst-Freitags wurde am 12. Februar die Neonskulptur von Alfredo Jaar im Graf-von-Soden-Forum der Zeppelin Universität enthüllt.

Die Plätze des Graf-von-Soden-Forums waren restlos belegt, als die Kuratorin des artsprograms, Ulrike Sheperd, alle Anwesenden begrüßte und in den Auftakt des diesjährigen Kunstfreitags in Friedrichshafen einleitete. Die Besonderheit des Abends stellte die Enthüllung der neuen Neonskulptur im Graf-von-Soden-Forum der Zeppelin Universität dar, die von nun an Bestandteil dieses Ortes der Kommunikation und des Austauschs sein wird. Die Veranstaltung selbst hätte wahrscheinlich gar nicht besser verkörpern können, was auch die enthüllte Skulptur vermitteln möchte: Das Einlassen auf situative Begegnungen und das Zelebrieren des Augenblicks. So war der Künstler Alfredo Jaar, von dem die Neonskulptur entworfen und geschaffen wurde, ebenso anwesend wie der Stifter des Kunstwerks und Mitgründer der ZU, Siegfried Weishaupt, sowie Vertreter der Universitätsleitung und der städtischen Politik. Die Veranstaltung war vor allem auch von einem recht großen nichtuniversitären Publikum besucht, was als schöner Beleg dafür gewertet werden kann, dass unsere Universität als zivilgesellschaftlicher Akteur in die Region hier am Bodensee nicht nur verankert ist, sondern durch ihr Wirken auch das Zusammenleben der Bevölkerung prägend mitgestaltet.

Die städtische Seite wurde durch Oberbürgermeister Brand vertreten, der neben Danksagungen auch betonte, dass in Friedrichshafen mehr geboten würde, als man gemeinhin annehmen könnte. Darüber hinaus schien er ästhetischen Gefallen an dem Werk zu finden: Die Neonskulptur „passe einfach hervorragend hier in das Forum“.

Das Kunstwerk stand dann auch im Mittelpunkt des weiteren Programmpunkts: Von Prof. Karen van den Berg konnte man in ihrem Vortrag über „Politiken künstlerischer Intervention“ Näheres zu Alfredo Jaar und vor allem über dessen Wirken als zeitgenössischer Künstler erfahren. Er zeichne sich im Besonderen durch seine künstlerischen Interventionen aus, mit denen er irritierende und widersprüchliche Realitäten artikuliere, um somit „Licht in die Flut an Bildern“ zu bringen, die täglich an uns vorüber strömt. Die Neonskulptur im Graf-von-Soden-Forum der ZU soll im Zuge dessen auch zu einer Befreiung des Denkens anregen, durch welche dem Bedarf nach „radikaler Imagination“ begegnet werden kann. Lässt man sich selbst auf eine Betrachtung des Werks ein, so fällt auf, dass dieser in der Neonskulptur verkörperte Aufruf zum Dasein auf grelles Neonlicht zurückgreift, welches Assoziationen zu Leuchtreklame der Werbeindustrie weckt. Es wirkt ganz so, als verwende Jaar diese Mittel, um überhaupt ein wenig Aufmerksamkeit zwischen all den Ablenkungen und Zerstreuungen unseres Alltags auf den eigentlichen Wert des Moments zu lenken. So strahlt von nun an ein Satz aus Goethes Feder über unseren Köpfen im Graf-von-Soden-Forum.

Der Kanzler der ZU, Matthias Schmolz, sprach im Anschluss an den Impulsvortrag von Karen van den Berg im Namen der Universität einen großen Dank an den Stifter des Kunstwerks, den Unternehmer und Mitgründer der Zeppelin Universität Siegfried Weishaupt aus, der mit dieser Schenkung auch sein Vertrauen in die Zeppelin Universität und ihrer Ideale Ausdruck verleiht. Ebenfalls geehrt wurde Alfredo Jaar, dessen Kunstwerk die ZU bereichere. Von studentischer Seite erfolgte die Danksagung durch Sophie von Waitz, die kurz davor ihr Amt als studentische Senatorin an die Nachfolger übergeben hatte. Als Erinnerung und Dankesgeschenk wurden dem Stifter sowie dem Künstler eine Fotografie der Installation im Graf-von-Soden-Forum überreicht.

Alfred Jaar richtete daraufhin selbst noch einige Worte an die Anwesenden. Für ihn sei die enthüllte Neonskulptur Ausdruck des portugiesischen Worts ‚saudade‘, das eigentlich nur verstehen könne, wer schon selbst einmal das Wesen der portugiesischen Lebensweise erfahren habe. Hierbei entwickele sich eine besondere Form der Leichtigkeit des Seins aus der Einsicht in die eigene Begrenztheit und Vergänglichkeit. Die Installation kann somit als Erprobung gesehen werden, dieses besondere Gefühl des ‚saudade’ einzufangen und auszudrücken und dadurch in neue Begegnungen, Gedanken und Diskurse einfließen zu lassen.

Was von diesem Auftakt des Kunstfreitags im Gedächtnis bleiben wird, ist damit der Aufruf, die uns noch vergönnte Freiheit in gewissen Räumen wie der Kunst oder auch der Universität zu genießen und für sie einzustehen. Die Absurdität und Widersprüchlichkeit der Gegenwart auszuhalten und zu reflektieren. Und so das Bestehende umzudeuten und dadurch neuen Sinn zu schaffen. So bleibt man einzig zurück mit dem Wunsch, dass dieser Abend tatsächlich Teil einer „neuen kreativen Phase in Friedrichshafen“ ist, wie sie sich auch Karen van den Berg erhofft.

2 Comments

  • Avatar Lieselotte Niebch sagt:

    Das portugiesische Wort heißt “saudade”, siehe diesen Wikipedia Artikel zu seiner Bedeutung: https://en.wikipedia.org/wiki/Saudade Es ist ein Begriff das sich vielleicht durch nostalgische, schmerzhafte aber immer noch schöne Sehnsucht erklären lässt. Leichtigkeit des Seins,trifft es leider nicht genau.
    Sonst schöner Artikel 🙂

  • Avatar Sophie Giulini sagt:

    Wie schön, durch diesen Artikel aus der Ferne an der Enthüllung der neuen Neonskulptur unserer Uni teilhaben zu dürfen!

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