Johann Kees über Stress im Studium und seine Rolle für die ZU

Quelle: https://www.jameda.de/friedrichshafen/aerzte/innere-allgemeinmediziner/johann-a-w-kees/uebersicht/80025256_1/ (Johann A. W. Kees)
Wer schon einmal fünf Hausarbeiten in einem Monat oder drei Klausuren in einer Woche vor sich hatte, kennt wahrscheinlich Johann Kees. Den „Lieblingsarzt“ der ZU-Studenten lediglich als Attest-Geber abzustempeln ist allerdings nicht nur unreflektiert, sondern auch schlichtweg falsch. Das stellt sich beim Futur drei – Gespräch heraus, das Frieda und Phillip mit Herrn Kees geführt haben. Es dreht sich um die psychische Gesundheit von Studenten genauso wie um das Stadtbild des Ortes, an dem der Mediziner fast sein ganzes Leben verbracht hat.

 

Als Häfler hat Johann Kees eine klare Meinung über die Entwicklung der Stadt. „Es ist zwar immer noch ein Nest, aber es hat sich deutlich verbessert.“ Einen nicht unwesentlichen Anteil daran haben seiner Ansicht nach die Studierenden der ZU und der DHBW. Wenn man die positiven und negativen Seiten der Verjüngung Friedrichshafens abwägt, stehen Kees zufolge etwas gestiegene Mieten gegen ein deutlich lebendigeres Klima und die Reaktivierung des Fallenbrunnen-Areals.

„Man hat immer mal mit ZUlern zu tun, irgendwo. Meine Tochter schleppt einen ZUler an, bei meiner Ex-Frau in der Wohnung wohnt ein ZUler. Irgendwo findet man immer jemanden oder irgendwo ist eine Party.“

Die entspannte Atmosphäre unseres Gesprächs passt zum Gesamteindruck, den Kees hinterlässt. Von der Praxiseinrichtung, die auf der Feng-Shui-Skala eine glatte 10 bekäme bis zur ansprechenden Website, auf der die vielen, teils überraschenden Extraleistungen angeboten werden – so ganz die eingestaubte Kleinstadtpraxis ist das nicht.

Nach dem Studium in Frankfurt standen Kees viele Türen offen. Er merkte aber, dass er sich die Klinikarbeit aufgrund strenger Hierarchien schwer vorstellen konnte. „Ich wollte ursprünglich von meiner Ausbildung her plastischer Chirurg werden, aber das war damals so was von exotisch, dass man von allen Seiten abgeraten wurde; es gab praktisch keine Ausbildungsplätze dafür in Deutschland.“ Also blieb es bei der Allgemeinmedizin, aber eben mit eigener Auslegung. Zu einer Promotion kam es nicht, weshalb Herr Kees auch Wert darauf legt, dass wir den Doktor  weglassen.

Der medizinische Kontext, auch ohne Doktor, ist natürlich derjenige, in dem die meisten ZUler den Arzt vom See kennen, trotz BürgerUni-Interesse seinerseits und der oben erwähnten Parties. Wir fragen uns und Herrn Kees, wie viele Studenten wohl in einem Jahr zu ihm kommen. „Ich weiß, dass es Massen sind“, bestätigt er den öffentlichen Eindruck.

„Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich Krankheit anders sehe als andere Ärzte“, erklärt Kees. „Wenn jemand zu mir kommt und sagt, er ist wahnsinnig überlastet durch die Uni, dann ist der für mich krank. Krankheit definiert sich laut WHO durch Körper und Geist.“

Anders formuliert: Auch ohne Erbrechen oder gefährlichen Ausschlag kann ein Mensch arbeitsunfähig sein. „Wenn jemand aus der ZF kommt und sagt er ist überlastet, dann nehme ich den ja auch raus.“ Nur ist die ansonsten gesellschaftlich angestiegene Akzeptanz von Burn-Out und Stresserkrankungen noch nicht ganz bei den Studenten angekommen.

Dabei wird die Aufmerksamkeit von allen Seiten geschaffen: Die steigenden Studentenzahlen, die erschreckenden Selbstauskünfte depressiver Studierender und nicht zuletzt die Anpassung des universitären Lernsystems, das immer näher an das Ideal des passgenauen Korsetts rückt.

Diese Trends sind natürlich nicht allgemeingültig, das weiß Herr Kees genauso wie jeder ZU-Studierende, der dank ECTS-Anhebung und vierjährigem Bachelor zum Glück meist nicht am Limit arbeiten muss.

Allerdings gibt es einen Faktor in der Gesundheitsgleichung, den Studierende immer wieder kritisieren und der Johann Kees bis zur letzten Woche unbekannt war: Die fehlende Möglichkeit, sich an der Zeppelin Universität von Prüfungsleistungen abzumelden. „Das wusste ich gar nicht, das verschärft das Problem“, gibt uns ein überraschter Arzt zurück.

„Dass man sich selber nicht abmelden kann, sehe ich durchaus kritisch. Dann würden die Leute uns vielleicht oft gar nicht brauchen. Das höre ich jetzt zum ersten Mal, dass man sich selbst gar nicht rausnehmen kann…“

Es macht also sowohl für den schlaflosen Studenten als auch für den behandelnden Arzt einen Unterschied, wie restriktiv die Examina gestaltet werden. „Ich wünsche mir von den Studenten, dass sie mir sagen, wenn sie gestresst sind, wenn sie nicht mehr schlafen können“, gibt Kees uns mit auf den Weg. So mancher denke sich nämlich die abstrusesten Symptome aus – und die helfen niemandem weiter. Dr.-House-Wissen nennt das unser Gesprächspartner.

„Neulich kam einer an, der hätte sofort in die Neurologie eingewiesen werden müssen, der müsste isoliert dahingefahren werden und meine Praxis müsste zwei Tage schließen und grundgereinigt werden, bei dem was der mir alles erzählt hat.“

Zum Schluss verrät er Herr Kess uns noch ein Detail bezüglich der Inneneinrichtung seines Behandlungszimmers, das den ein oder anderen Patienten beim Warten auf seine Diagnose schonmal beschäftigt haben wird.

„Die Elefanten bringen Glück. Die kriege ich aus der ganzen Welt mitgebracht oder bringe sie selbst mit. Irgendwann habe ich etwas sammeln wollen, so hat das angefangen und jetzt sind es schon über 120 Stück.“

Seelen

Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, Friedrichshafen besser kennenzulernen und Studierende mit Häflern bekannt zu machen. Daher treffen wir mal mehr, mal weniger bekannte Persönlichkeiten zum Gespräch über die Stadt, die ZU und wie eigentlich beides zusammenpasst.

 

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