In Tausend Zeichen – Flüchtlingsintegration an Universitäten

Die Learning Community unserer ZU: Frewilliges Engagement gedeiht, während an den "offiziellen" Bildungswegen noch gestritten und gearbeitet wird. (Foto: Luzi Gross)

In diesem Jahr stellt der Bund 27 Millionen Euro zur Verfügung, um Flüchtlingen einen besseren und schnelleren Zugang zu deutschen Hochschulen zu bieten. Vor allem Test- und Prüfungsverfahren sollen verbessert werden, damit die Anerkennung von Abschlüssen besser funktioniert. Auch soll schneller Bafög beantragt werden können. Auf der anderen Seite wird kritisiert, dass die Hochschulinfrastruktur nicht genug ausgebaut wird und nur kurzfristige Maßnahmen getroffen werden.

Wir haben politische Hochschulgruppen zu ihrer Haltung bezüglich dieses Themas befragt. Was muss Deutschland tun, um die Hochschullandschaft offen und attraktiv für Flüchtlinge zu machen?

Jusos:

Nach aktuellen Zahlen besitzen 16% aller in Deutschland lebenden Flüchtlinge eine Hochschulzulassung und müssen damit die Möglichkeit bekommen, sich an einer Hochschule einschreiben zu können. Denn ein adäquater Bildungsstand ist entscheidend für die gesellschaftliche Integration der Flüchtlinge. Deutschland muss daher ein umfassendes und ausreichend finanziertes Programm zur Betreuung von Flüchtlingen an Hochschulen auflegen. Wir begrüßen innovative Startups, die spezielle Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme für Flüchtlinge anbieten, wie die neu gegründete Kiron University. Allerdings können solche Online-Kurse kein Ersatz für eine vollwertige Ausbildung sein. Wir Jusos sehen es als Aufgabe des Staates an, Pilot-Projekte an Universitäten zu finanzieren, sodass Geflüchteten ein Gasthörerstatus in bestimmten Kursen angeboten und Gebühren erlassen werden können. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, dass ausländische Abschlüsse schneller überprüft und leichter anerkannt werden können. Vor allem muss Flüchtlingen, die studieren wollen, schneller der Zugang zu Bafög gewährt und Stipendienprogramme aufgelegt werden.

RCDS:

Für uns gibt es beim Hochschulzugang von Flüchtlingen ein Leitprinzip: Gleichberechtigung. Es ist absolut zu begrüßen, wenn Schutzsuchende an unseren Universitäten lernen wollen und trägt enorm zu gelungener Integration und gesellschaftlicher Teilhabe bei. Dabei gibt es zwei Formate, die aktuell praktiziert werden: den Status als Gasthörer oder eine Einschreibung auf einen Studienplatz. Letztere ermöglicht die Teilnahme an Prüfungen und damit auch einen Abschluss. Wir finden es bedenklich, dass an einigen Universitäten nun auch Gasthörer, welche nicht das übliche Aufnahmeverfahren absolviert haben und keine Qualifikationen nachweisen, prüfungsfähig werden sollen. Damit wird das Gleichbehandlungsprinzip gegenüber allen anderen Studenten verletzt. Besonders in Fächern mit einem strengen Auswahlverfahren wie Medizin, würde der Numerus Clausus umgangen und andere Studienplatzbewerber stark benachteiligt. Eignungsprüfungen für Flüchtlinge können hier sicherstellen, dass sich das Qualifikationsniveau der Bewerber nicht wesentlich von anderen ausländischen Studenten unterscheidet. Die Teilnahme als Gasthörer hingegen, sollte jedem Flüchtling offenstehen, solange entsprechende Kapazitäten vorhanden sind.

LHG:

Auch wenn sicherlich nicht alle Asylbewerber, die zu uns kommen, die notwendigen Vorkenntnisse vorweisen können, um ein Hochschulstudium zu beginnen, so gibt es dennoch viele, die die Zulassungskriterien erfüllen. Da wir eine bestmögliche Bildung für einen der wichtigsten Integrationsfaktoren halten, möchten wir es daher jedem ermöglichen, auch in Deutschland zu studieren. Für uns gilt: Auch für Asylbewerber muss Chancengleichheit hergestellt werden. Daher müssen geeignete Stipendien ins Leben gerufen und die Anerkennung von Abschlüssen vereinfacht werden. Außerdem wollen wir als LHG die Chancen und Potenziale unter den Flüchtlingen, die am Fallenbrunnen untergebracht sind, nutzen und ihnen – zumindest teilweise – den Besuch von Kursen an der ZU ermöglichen, in denen freie Kapazitäten bestehen. Insbesondere Sprach- und Landeskundekurse, die derzeit für Internationals angeboten werden, sind dafür bestens geeignet. Wir sind alle gefragt, eine gelungene Willkommenskultur umzusetzen – aber gemeinsam können wir es schaffen.

Wir befragen die politischen Hochschulgruppen zu ihrer Haltung gegenüber bestimmten Themen

... Das sind der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), die Jungsozialist_innen (JUSOS) und die Liberale Hochschulgruppe (LHG). Ihr zur Verfügung stehender Rahmen umfasst dabei 1000 Zeichen ohne Leerzeichen. Sie sind alleine für die Inhalte ihrer Artikel verantwortlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.