Fünf sehenswerte YouTube-Dokus über elektronische Musik

https://www.google.de/search?q=don%27t+forget+to+go+home+documentary&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjXtKDft_LXAhXC0aQKHc5dBfgQ_AUICygC&biw=1366&bih=662#imgrc=gF2dgYMSYxX82M: Eine von fünf Dokus: "Don´t forget tp go home"

Es ist Sonntag, man liegt im Bett und will ein bisschen gammeln. Bei Netflix habt ihr alle Serien durchgebinget, und die spärliche Filmauswahl ist auch nicht wirklich ansprechend. Oder ihr gehört zur raren Spezies ohne Netflix-Account. Was tun?

Ein Klick auf das gute, alte YouTube kann helfen! Und nicht, um aufgedrehten Youtubern bei Produktplatzierungen zuzugucken. Nein, in YouTube steckt einiges mehr. Elektronische Musik zum Beispiel gibt es bei YouTube mehr als bei Spotify. Dokus gibt es mehr als in der Arte-Mediathek. Dementsprechend gibt es auch massenweise Dokus über elektronische Musik. Damit ihr euch in dem Gewimmel halbwegs zurechtfindet und vielleicht auch noch etwas über die Geschichte der Musik erfahrt, die hinter ungefähr dem kompletten aktuellen Mainstream-Pop (siehe zum Beispiel die vor Elektronik strotzende neue Taylor Swift) steht, ist futurdrei zur Stelle: Die fünf sehenswertesten Dokus bei YouTube über elektronische Musik.

 

Pump Up The Volume (2001)

Mit zwei Stunden Laufzeit ist dieser Zusammenschnitt einer TV-Serie bei weitem die längste Doku. Dafür geht sie auch in die Tiefe: Denn hier kriegt man nichts weniger als eine Geschichtsstunde in Sachen House. Natürlich ist es bei den vielen Strömungen und Parallelbewegungen schwierig, eine Geschichte der elektronischen Musik anhand eines kohärenten Erzählstranges zu erzählen. Deswegen wird sich hier auf House aus Chicago im Speziellen und einige der Nachfolgeentwicklungen im weiteren Kontext konzentriert. Von den Anfängen, die sich aus Disco speisten, über die parallele Entstehung von Techno in Detroit bis zum Sprung über den Atlantik nach UK und in den dortigen „Summer of Love 1989“. Teilweise ist der Erzählfluss etwas abgehackt, aber es sprechen zentrale Vertreter der Szene und es wird ein Klassiker nach dem anderen eingespielt (zum Glück mit Titel und Interpret). Spannend und bis zu einem gewissen Grad lehrreich.

 

Human Traffic (1999)

Strenggenommen gehört das nicht ganz hier hinein, denn „Human Traffic“ ist keine Doku. Aber wer etwas tiefer in den UK-Rave-Erzählstrang des vorherigen Films einsteigen möchte, ist hier genau richtig. Mit seinen trippigen Kameraeinstellungen und der backsteinernen britischen Kleinstadttristesse erinnert der Film zuweilen an „Trainspotting“. Nur geht es weniger abgründig um Heroin, sondern um das Wochenende einer Raverclique in der Hochzeit der Neunziger – von Ecstasy gleichermaßen angetrieben wie von Freundschaft und Rave-Klassikern. Auch bietet der Film eine gute Abwechslung zum zuweilen nostalgischen Blick zurück zu den Dokumentarfilmen. Stattdessen ist es eine bunte, laute und subjektive Momentaufnahme. Die Nostalgie findet man anschließend in ein paar Kommentaren darunter.

 

Technocity Berlin (1993)

1993 hat der SFB (heute RBB) diese halbstündige Doku gedreht. Es kommen verschiedene Vertreter der Szene zu Wort und so fügt sich Stück für Stück ein recht vollständiges Bild der Berliner Technoszene Anno 1993 zusammen. Als öffentlich-rechtliche Sendung an ein Publikum gerichtet, dem Techno noch eher fremd ist, wird alles anschaulich, aber nicht übersimplifiziert, erklärt. Über Plattenläden, Musikproduktion, Clubs und Drogen werden alle Themen abgedeckt. Die Doku bietet auch heute noch einen guten Einstieg in das Thema. Außerdem sind viele Fragen noch aktuell – wenn zum Beispiel der Einkäufer vom Hardwax (ein Plattenladen, der bis heute seine wichtige Stellung gehalten hat) meint, dass Techno zu einfach zu produzieren und zu veröffentlichen sei, sodass auch viel „Bockmist“ bei rauskomme. 10.000 Mark – mehr brauche man nicht. Heute liegt das Einsteiger-Budget bei rund 300 € für die Software Ableton. Und die gleiche Klage wiederholte sich, als es möglich wurde, Tracks rein digital zu veröffentlichen. Früher war wohl nicht alles besser, sondern sogar ziemlich ähnlich.

 

Feiern – Don’t Forget To Go Home (2006)

Diese Doku machen vor allem die befragten Menschen den Film aus, und die Filmemacher haben neben unbekanntem Feierpublikum auch einige bekanntere Figuren befragt, zum Beispiel den DJ Ricardo Villalobos. Der Film ist sehr reduziert gehalten. Er besteht hauptsächlich aus Interviewpassagen, die nach Themen geordnet zusammengeschnitten sind. Dazwischen liegen immer wieder reine Bildpassagen, die, mit einer tatsächlich guten Musikauswahl hinterlegt, schlicht gezeigt werden und der Gliederung dienen. Aufnahmen aus dem Watergate, Fotos aus dem früheren Ostgut, tanzende Menschen. Die Protagonisten erzählen allerlei unterhaltsame wie persönliche Geschichten. Schnitte werden sparsam eingesetzt, sodass den Erzählenden Raum bleibt. So nah wie in dieser Doku werden die psychischen Höhenflüge, aber auch die Abgründe und Schwierigkeiten der aktiv gelebten Clubkultur, wohl selten gezeigt.

 

RA „Between The Beats“-Serie: The Black Madonna (2016)

Das ist der jüngste Clip dieser Liste, denn Geschichte lässt sich im Nachhinein eben zusammenhängender erkennen. Dennoch liegt der Wert dieser Serie des Musikmagazins Resident Advisor gerade in ihrem konkreten Fokus auf ein/e bestimmte DJ. Es wird das Leben auf Tour von DJs gezeigt, „between the beats“ und den Auftritten. So lässt sich ein detailreicher Einblick in den tatsächlichen Alltag von DJs gewinnen, angenehm entmystifiziert. Die Folge über „The Black Madonna“ ist die bisher ausführlichste. Besonders in Hinblick auf ihren raketenhaften Aufstieg aus der Unbekanntheit hin zu einer der aktuell meistgefragten DJs ist sie interessant. Außerdem hält „The Black Madonna“ immer wieder, über ihre Social-Media-Kanäle wie auch in Interviews, die Fahne für die grundlegenden Werte von House und Techno hoch. Gegen Ende hin findet sich eine Passage, in der sie sich schminkt und dabei ihre Rolle als Frau im männerdominierten DJ-Geschäft hervorragend reflektiert.

 

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