Facebook-Diskussionen: Schluss mit digitalen Grabenkämpfen

Kommentarkrieger bekämpfen sich bei Facebook. (Montage: Cristina Plett )

Als ich den Artikel „Zeppelin Uni-Facebookgruppe: Eine Diskursplattform verkümmert“ auf FuturDrei gelesen habe, fühlte ich mich angesprochen. Ich bin eine dieser Personen, die das Diskutieren liebt, aber den Facebook-Diskussionen lieber fernbleibt, weil ich sie über kurz oder lang als meiner Zeit „nicht wert“ erachte.

Das an der ZU allgemein bekannte Gefühl, bei einem wilden digitalen Wortgefecht in den Kommentarspalten der Zeppelin Uni-Facebookgruppe zu einer Popcorntüte greifen zu wollen, kenne auch ich. Und oft genug juckt es auch mir in den Fingern, den drastischen Meinungen starker Wortführer – ob sie sich nur so fühlen oder es mindestens in ihrer Peer Group sind, sei dahingestellt – meine Meinung entgegen zu schleudern oder auch nur meinen Senf dazu zugeben. Oft genug formuliere ich einen Kommentar aber lasse es dann – nur warum?

Unter der Annahme einer abnehmenden Diskussionskultur auf Facebook stehe ich mit diesem Entschluss wohl nicht alleine da. Denn diskutiert wird an der ZU auf jeden Fall –  wenn auch nicht unbedingt im Seminar (und das ist ein anderes Thema), so gibt es bei fast bei jedem Mittagessen, beim Glas Wein oder einer Party genügend Anlässe, Meinungsverschiedenheiten verbal auszufechten.

Warum dann nicht bei Facebook? Eine Erklärung.

Die Autorin des Artikels hat Recht: Die Diskussionen werden schnell schroff und persönlich, nicht selten werden private Angelegenheiten, Herkunft oder in anderen Gesprächen geäußerte Einstellungen herbeigezogen, um seinem Opponenten die Legitimität seines Arguments zu entziehen. Das raubt nicht nur Zeit, sondern auch Energie. Viele der Facebook-Kommentarkrieger sollten ihre Zeit nachweislich lieber woanders investieren.

Jedes noch so harmlose Statement bietet Raum für negative Interpretationen und anscheinend die Möglichkeit, den Verfasser als dümmlich oder zu schlecht informiert darzustellen. Nicht selten wird der eigentliche Diskussionsgegenstand vernachlässigt, um ja auf einer vermeintlichen Argumentationsschwäche des Opponenten herumzureiten.

Vor allem würde nie einer der ach so starken und wortgewandten Männer – rein objektiv, denn leider sind es meistens männliche Kommilitonen in den Facebook-Diskussionen – seinem Sparringpartner Recht geben. Einsicht liegt den meisten „Kommentatoren“ fern, obwohl dies eine gute Diskussion ebenso ausmacht und sicherlich den Horizont für ein Leben nach der Diskussion erweitert. Gerade an einem Ort wie der ZU sollten wir offen sein für neue Perspektiven. Dafür muss man auch nicht seine gesamte politische Überzeugung über den Haufen werfen.

Ebenso lässt sich gerne das sogenannte „Twitter-Phänomen“ betrachten: Nur das Extreme gewinnt (Aufmerksamkeit). Diese oft geführten „Schwarz-weiß“-Diskussionen liegen unter dem Niveau, das die meisten von uns im „realen Leben“ an Differenzierung an den Tag legen können.

Ich würde mich nicht als feige bezeichnen, denn ich liebe das Diskutieren per se, aber diesen dunklen und meist überzeichneten Zeppelin-Uni-Kommentarspalten bleibe ich dann doch lieber fern. Für mein eigenes Seelenheil.

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