“Eurotrash” von Christian Kracht

gut gefülltes Bücherregal

25 Jahre nach seinem Debut “Faserland” legt Christian Kracht einen neuen Roman vor: Eurotrash. Angekündigt als Fortsetzung zu Faserland, dem Roman der deutschen Popliteratur, wird er gespannt erwartet.

Doch schon auf der ersten Seite wird klar: So einfach wird es dem Leser dann doch nicht gemacht. Denn statt einer einfachen Fortsetzung jener Geschichte, die nach einer schnellen Deutschlandreise recht offen auf dem Zürichsee endet, wird der Leser im neuen Roman um mindestens eine Meta-Ebene zurückgeworfen. So ist der Erzähler dieses Romans nicht mehr das zur Depression neigende, arrogante Rich-Kid aus Faserland, sondern dessen Erschaffer.

Die Geschichte handelt also von einem fiktiven Autor Faserlands mit gleichzeitig erstaunlichen parallelen zum Echten, namentlich Christian Kracht.

Die Handlung beginnt, wie Faserland mit Also, dort wo Faserland endete, am Zürichsee.

Dort besucht er eher unfreiwillig seine demente Mutter in ihrem Züricher Alterssitz.

Jene Mutter, regelmäßige Besucherin der Psychiatrie Winterthur, Kochwein- und Pillenabhängig, ist wohl die eigentliche Heldin dieses Romans. Zusammen gehen Sie auf Reisen durch ihre Heimat, die Schweiz und die eigene Vergangenheit. Dabei kommen sich Kracht und seine Mutter trotz Fremde und offener Konflikte auf eine rührende Weise nahe. Sie schwelgen in Erinnerungen und besuchen die Orte seiner Kindheit.

Nach Faserland legt Kracht allerdings einen deutlich versöhnlicheren Ton an, es scheint als wäre der Rebell Kracht nach 25 Jahren doch ein wenig milder geworden. Es ist wohl sein persönlichstes Buch; auch wenn unklar ist, welche Teile des Romans welche der realen Geschichte des Autors sind und welche frei erfunden.

Auf jeden Fall beweist Kracht mehr Tiefe als beim Vorgänger Eurotrashs. Gleichzeitig kehrt sich der Autor auch insofern von der deutschen Pop-Literatur, indem er sich mit den Weltkriegsverbrechen seiner eigenen Familie auseinandersetzt.

Resümierend sei gesagt: Eurotrash beschreibt eine berührende Geschichte von auseinandergelebter Mutter und Sohn. Sie beschreibt eine Hassliebe zur Schweiz und ich empfehle jedem Leser von Faserland (und natürlich auch jedem anderen) mal die andere Seite Christian Krachts kennenzulernen.

Dieses Buch ist, um es mit den Worten Krachts zu sagen: „One for the road“.

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