Die Leiden des jungen B. – Eine Gegendarstellung

Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine Replik zum Text „Am See schmeckt der Leistungsdruck süß, statt salzig“ vom 22.03.2018. Davon ausgehend, stellt diese Antwort eine alternative, subjektive Sichtweise auf unsere Universität dar.

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Liest man die jüngsten Klagelieder, könnte man meinen, der ZU-Student sei ein besonders armer Tropf. Unter dem Joch von Deadlines schleppt er sich von Prüfungsleistung zu Prüfungsleistung, die Ellbogen aufgescheuert vom täglichen Kampf ums nackte Überleben. Schwer wiegen seine Ketten von Initiativenverpflichtung und Leistungsdruck und nur mit „Hängen und Würgen“ rettet er schlaflos seine von den elterlichen Peitschenhieben gezeichnete Haut ins nächste Semester. Verdammt dazu, sein Menschsein gegen „tote Zahlen auf einem Blatt Papier“ einzutauschen. Summa summarum: 4 Years a Slave.

Bullshit.

Nicht ganz ohne Ironie werden in dem jüngsten Artikel auf Hausarbeitenlänge Zeitmangel und Stress beklagt, welche die örtlichen Wartezimmer mit Scham und Sorge füllen sollen. Auch die Schuldigen werden gleich mitgeliefert: Arbeitspensum, Prüfungslast, Initiativenarbeit und sozialer Druck. Auffällig ist zunächst, dass alle Gründe für die vermeintlichen Höllenqualen nur im Außen verortet werden. Sie lauten Uni, Prüfungsordnung, Eltern, Kommilitonen, kurzum: Schuld sind alle anderen.

Ohne die potentiell halluzinogenen Einflüsse von Herrn Kees‘ Räucherstäbchen und Rüsseltieren, scheint der Debatte eine Gegenperspektive zuträglich zu sein.

An der ZU herrscht ein außergewöhnlicher Leistungsdruck? Noten und Durchfallquoten werden hier wahrlich nicht nach Quantilen festgemacht, wie es gerade an anderen Unis geläufig ist. Die überdurchschnittlich großen Wahlmodalitäten erlauben eine große Planbarkeit für eine oftmals faire Aufteilung von Klausuren und Hausarbeiten. Mit diesem Freiraum geht aber auch eine Verantwortung einher, die jeder selbständig strukturieren muss.

Ob der oft empfundene Druck allein auf die Modalitäten der Seminare und Prüfungen zurückgeführt werden kann, ist zu bezweifeln. In Lukas‘ Darstellung wird darüber hinaus der zu späte Beginn mit dem Lernen von vielen Studierenden als gegeben hingenommen, ein zweiter Prüfungszeitraum soll alle Probleme lösen – darüber müsse man auch nicht weiter reden, schließlich sei das der Standard an jeder deutschen Uni. Seit wann ist das bei uns ein Argument, etwas so zu machen, nur weil es an den meisten Unis üblich ist? Inwiefern soll ein zweiter Prüfungszeitraum das offensichtlich ganzjährige Problem mangelnder Lernplanung lösen? Wenn man im Januar noch Klausuren schreiben kann, rückt eben das Schreiben der Hausarbeiten noch weiter nach hinten, lern- und arbeitsintensive Phasen werden einfach nur im Jahreskalender neu verschoben. Wer „in der Sofaritze festhängt“, dem würde dadurch wohl kaum auf diese Weise geholfen werden, sich aus dieser prekären Lage zu befreien.

Im Weiteren soll die soziale Kontrolle durch Kommilitonen totalitäre Züge annehmen und die von ihrer harten Kindheit gepeinigten Studierenden der ZU noch weiter gängeln. Wie in Gottes Namen kommt man darauf, die Kinderjahre der Studierenden als größtenteils besondere Härtefälle zu umreißen? Zu behaupten, dass es ZUler im Schnitt außergewöhnlich schwer hatten, zeugt von einer so schamlosen Realitätsferne, welche die dunkelsten Vorurteile gegenüber dieser Uni bestätigt. Und dann wird man von Mama und Papa auch noch unter Druck gesetzt, indem sie einem ohne eigenes Zutun ein Top-Praktikum organisiert haben – mein Beileid.

Dieser weinerliche Verlust von Bodenhaftung ist ein Hohn gegenüber Menschen, die aus wirklich schwierigen Verhältnissen kommen und mit echten Problemen zu kämpfen haben. Die geäußerte Erwartungshaltung an das Studium wirkt hierdurch äußerst bedenklich. Die Erkenntnis, dass die vier Jahre am See nicht nur ein Schaumbad in 7000 süßen Sünden bedeuten, bietet nichts Neues.

Eine Forderung, dass sich 16 Stunden Cheerleading Training in der Woche doch bitte nicht negativ auf universitäre Leistungen auswirken sollen, ist bodenlos. Es gab Enttäuschung, als sich herausstellte, dass das Spirit-Krakele bei den Euromasters am Ende nur heiße Luft ist? Was für ein überraschender Schicksalsschlag. Eine Beziehung ist in die Brüche gegangen? Vielleicht für Bento interessant. Diese Dinge haben aber leider überhaupt nichts mit Leistungsdruck oder psychischen Belastungen an der ZU zu tun.

Es wird der Eindruck erweckt, dass die persönliche Unzufriedenheit mit dem Studienverlauf wahllos in einen Topf geworfen wird mit der Frage, wie es um die Studierbarkeit und die Belastung im Studium tatsächlich bestellt ist. In Kombination mit dem Umstand, dass der Gedanke daran, ein Buch zu lesen, Heulkrämpfe auslöst, stellen sich in der Tat grundlegende Fragen hinsichtlich betroffener Studenten – allerdings nicht institutioneller Art.

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Die Wichtigkeit, kontinuierlich zu prüfen, wie man die Studierbarkeit verbessern kann (z.B. Blockwoche während der Hausarbeitenphase vermeiden), soll hiermit nicht angezweifelt werden. Klar ist auch, dass sich der Workload eines Studiums anhand von ECTS-Punkten messen lässt, der tatsächlich empfundene Leistungsdruck des Einzelnen aber nicht. Dass psychische Erkrankungen an unserer Uni bestehen, ist Fakt, und die Gründe hierfür müssen hinterfragt werden. Wir sollten deshalb auch nach der Health Week nicht aufhören, am Thema der psychischen Gesundheit gemeinsam zu arbeiten.

Jedoch pauschal alle Gefühle der Frustration auf die Folter einer kaltblütigen Prüfungsordnung und sadistischer Kommilitonen zu schieben, greift definitiv zu kurz. Trotz anhaltender Grippewelle gilt es somit, sich vielleicht auch mal an die eigene Nase zu fassen. Die Zeit, die manche Gestressten auf zwei Bildschirmen parallel in der Bibliothek vor Facebook und Instagram verbringen, erlaubt es ebenso, hinterfragt zu werden. Die erste Tageshälfte Netflix zu schenken und am Nachmittag bei ASOS dem perfekten Second-Hand Look nachjagen, während Adorno stolz aber unberührt auf dem Tisch prahlt, sei somit als potentielle These für den Grund des Zeitmangels auch einmal in den Raum gestellt. Die Hausarbeit nimmt kein Ende? Die Timeline eben auch nicht. Kurz lässt der besagte Erfahrungsbericht aufflackern, dass man ja auch einfach nicht erst Mitte Januar mit den drei Hausarbeiten anfangen könne. Wenn sich beim Lernen für die Klausur ein großer Druck einstellt, mag es nämlich genau daran liegen, dass man erst drei Tage vorher damit anfängt.

Wer an der ZU studiert und überrascht davon ist, dass er hier auf ein Umfeld stößt, dass ihn persönlich in allen Dimensionen herausfordert, der scheint mir bei der Bewerbung, beim Auswahltag und in den ersten Semestern die Augen verschlossen zu haben. Das konstante Hinterfragen der eigenen Person, die permanente Auseinandersetzung mit den Ansichten meiner Kommilitonen und das gegenseitige Anregen zu gedanklichen Bestleistungen sind gerade maßgebliche Gründe, die aus meiner Sicht für das Studium an der ZU sprechen.

Die Momente der größten Reibung, des stärksten Widerstands und der unbequemsten Selbstzweifel waren diejenigen, in denen ich die stärkste Entwicklung durchlaufen habe.

Ich möchte mich ausdrücklich bei den Kommilitonen bedanken, die mir in dessen Verlauf mit ihren Leistungen und Beiträgen demonstrieren, was an gedanklicher Kraft, charakterlicher Stärke und Umsetzungsvermögen machbar ist. Das ist bisweilen sehr unbequem, aber auch nicht das, was das Leben hier verdrängt – sondern ein wichtiger Bestandteil von dem was es gerade auszeichnet.

Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er sein Bezugssystem absteckt, inwiefern er der Rede anderer Glauben schenkt und wie viele Stunden er für sein Engagement aufwendet. Der Anspruch, jedes Unbehagen im Studium auszumerzen zu wollen ist jedoch absurd, die Darstellung des ZU-Studenten als armen Tropf verkommt zu einer Farce.

 

1 Comment

  • Lukas sagt:

    Jetzt einmal ausführlich:

    Herr Professor S. missbilligt in seiner mit Meisterhand verfassten Abhandlung über „Die Leiden des jungen B.“ dessen Ausführungen über die Vorstellungsart von Verantwortung; allein ich kann, da wir in den wichtigsten Prinzipien – nämlich unserer Leidenschaft für diese Uni – einig sind, auch in diesem keine Uneinigkeit statuieren; wenn wir uns nur untereinander verständlich machen können. Denn, im Gegensatz zum vermuteten Angriff auf die Uni, oder vielleicht sogar auf ihn persönlich, denn das impliziert der Begriff der „Gegendarstellung“, handelte es sich bei meinem Text um einen Appell zum Handeln.

    Soviel zur Form, nun zum Inhalt.

    Mein lieber Julius,
    den Spott und Hohn, den aus Deinen Zeilen entnehme, trage ich sehr gerne, wenn es der Sache dient. In diesem Fall tut es das sehr schön, weil sich exemplarisch an deiner Replik eine Reihe von Fragestellungen aufwerfen lassen, die uns als Impuls für unseren gemeinsamen Diskurs dienen können und sollen.

    Was an unserer bisherigen Interaktion kann als Vorbild für unsere Erstis dienen?

    Da wir ja nicht die ersten sind, die sich öffentlich miteinander auseinandersetzen, lass uns unsere Perspektive ein wenig vergrößern – wie soll unsere Diskussionskultur an der ZU in Zukunft aussehen?

    Ich kann die Verunsicherung und die Ressentiments, die aus Deinen Zeilen sprechen, persönlich sehr gut nachvollziehen. Wenn sich auf einmal Abgründe neben einem auftun, die man vorher nicht gesehen hat, kann das schnell zu viel werden. Das ist vollkommen okay. Das Problem mit diesen Dingen ist, dass sie nicht neu sind, sie wurden bislang nur einfach nicht öffentlich thematisiert. Die vielen persönlichen Nachrichten und positiven Rückmeldungen, die ich in Reaktion auf meinen Artikel bekommen habe, bestärken mich in dieser Wahrnehmung. Versteh mich bitte eher als Erweiterer Deines Horizonts und Botschafter der vielen Mitmenschen, die sich mir im Laufe meines Studiums anvertraut haben, anstatt als Eindringling in Deine bisher konstruierte Realität. Luhmann lässt grüßen.

    Die vielen Geschichten meiner Kommilitonen on top zu meiner, haben mich dazu veranlasst meine Eindrücke einmal schriftlich darzulegen, weil ich sie im Diskurs unterrepräsentiert fand. Meine Beiträge sollen nicht nur mir als Ventil, sondern uns auch als Impuls dienen, damit wir gemeinsam nach Lösungen suchen, und uns als Gemeinschaft nach den vielen hitzigen Facebook-Debatten wieder etwas näherkommen können. Am Ende des Tages sitzen wir alle im selben Boot am See und sind die ständigen Architekten unserer sozialen Sphäre.

    Für mich ist jetzt einfach der Punkt gekommen, an dem ich mich frage, warum wir nicht als Gemeinschaft über, aber vor allem mit, den Kommilitonen sprechen, die, anstatt in der Bib zu prokrastinieren, gar nicht mehr in die Bibliothek zum Lernen kommen oder die Universität fluchtartig nach ihren Seminaren verlassen, weil sie das Grau(en) nicht mehr sehen können. Wie mag es ihnen gehen, nachdem sie Deine Antwort auf meinen Text gelesen haben?

    Mein lieber Julius, wir kennen uns nur vom sehen und Du haust per Ferndiagnose so einen Krachertext raus. Ich habe mich, ehrlich gesagt, über diese kurzgeschlossene Reaktion erschrocken. Ich weiß nicht, ob Du Dir des Risikos bewusst warst, das Du für ein paar formvollendete, jedoch inhaltsarme, Pointen eingegangen bist, aber der Anteil dessen, was Du alles NICHT von meiner Geschichte wissen konntest, war für Dich überhaupt nicht absehbar und das perfekte Beispiel für die zitierte „70% Form 30 % Inhalt“-Formel. Vielleicht habe ich ja wirklich eine schwere Depression hinter mir und habe es nur ausgelassen, weil ich noch nicht drüber sprechen kann? Vielleicht bin ich ja gerade jetzt in Therapie?

    Man stelle sich die Schlagzeile in der Schwäbischen vor:
    „ZU Student Julius S. attestiert schwer depressivem Kommilitonen den weinerlichen Verlust von Bodenhaftung, nachdem dieser offen über seine persönlichen Schwierigkeiten im Studium spricht.“

    Zum Glück ist dieser Kelch an mir vorbeigegangen, das konntest Du jedoch nicht wissen. Ich lese in Deinen unverantwortlich-deutenden Zeilen von Verantwortung – ich erkenne da einen Balken in Deinem Auge.

    Schwere Lebenszeiten und Krankheit sind kein Wettbewerb und es gibt auch keinen Richter, der, wie bei Monopoly, das Recht darauf sich zu Wort zu melden an einige „echte“ Härtefälle als Freikarten verteilt. Bei diesem Spiel würde den Kindern in Afrika zur Abwechslung endlich mal das ganze Spielbrett gehören und ich könnte allen Mitmenschen, die sich mir mit ihren Problemen anvertrauen immer sagen, dass sie sich mit dem Gedanken trösten können, dass sie es doch eigentlich gut haben. „Ja, deine Geschichte ist schon krass, aber denk doch mal an die Kinder in Afrika. Im Vergleich geht es denen doch viel schlechter als dir.“ Wie gut das beim Gesprächspartner ankommt, kann sich jetzt jeder einmal kurz denken…

    Wie wäre es zur Abwechslung mit einer Zuhör- und Willkommenskultur nach innen?

    Ich kann nicht oft genug betonen, dass die Buddy Initiative (@ZU Buddyteam) jedes Semester Mentoren hinterherrennen muss, Erstsemestern bei ihrem Weg durch den Semesterdschungel zu helfen. Dass sich da in der Folge ein paar verirren oder verloren fühlen, weil sie allein gelassen werden, kann keinen wundern. Im Zeppelinjahr zum Lernen Coffeintabletten schlucken und Bücher verstecken sind erst der Anfang dessen, was uns morgen bevorsteht, wenn wir uns nicht heute darum kümmern.

    Wenn ich eins während meiner Zeit bei der Bundeswehr gelernt habe, dann, dass wir als Team immer nur so stark sind, wie unser schwächstes Mitglied. Und es ist vollkommen egal, wie stark man ist oder wie sehr man davon überzeugt ist, dass man alles alleine und in totaler Eigenverantwortung schafft – nach 3 Tagen November-Dauerregen, endlosen Kilometern Marsch mit voller Ausrüstung, und wenig Schlaf, kommt irgendwann der Moment an dem es auch den Stärksten erwischt und er oder sie ans Aufgeben denkt. In solchen Momenten ist man unendlich dankbar, wenn man rechts und links Kameraden an seiner Seite weiß, die auf einen aufpassen und einen unterstützen, anstatt zu erwarten, dass man das jetzt alles selbst (er)trägt. In einer Gemeinschaft lässt man nicht zu, dass sich Mitmenschen aufgeben, sondern bietet Unterstützung an und trägt den Rucksack seines Nächsten.

    Warum?
    Weil alle wissen, dass jeder in Zukunft mal an seine Grenzen stoßen wird. Heute du, morgen ich.

    Ich bin sehr dankbar darüber, dass ich diesen Zusammenhalt dort erleben durfte und man nenne mich naiv oder romantisch, aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass so etwas auch hier bei uns an der ZU möglich ist. (Wir müssen uns aber wirklich mal eine Alternative zu „Spirit“ einfallen lassen, sonst kugeln sich einige beim Augenrollen bald noch die Augen aus.)

    2016 stand “Wir sind alle so ein bisschen naiv.” noch in der ZEIT.

    2018 rümpft Herr Julius Stoll seine feine Nase über so viel gelebte Blauäugigkeit, dass man tatsächlich gehofft hat, dass der Teamgeist aus Vallendar bis an den Strand der guten Hoffnung schwappt. Was wissen schon diese Alumni, die für diese Uni und ihre naiven Ideen unter anderem auch den ein oder anderen Notenpunk geopfert haben? An dieser Stelle Shoutout an Alexander Roland für den dopen Kommentar unter dem Influencer Post!

    Es ist mir egal, wie oft ich auf die Fresse falle nach den Euromasters oder zu anderen Gelegenheiten – weil ich an die Gemeinschaft geglaubt und vertraut habe – bis ich endlich am Ziel bin, dass Dinge wie: uns umeinander zu bemühen, uns gegenseitig zu helfen und vor allem uns einander zuzuhören, zum nobrainer werden. Mich innerlich von Rückschlägen abhärten zu lassen ist keine Option.

    Jeden Tag müssen wir mit ansehen, was gefühlskalte Zyniker – diese manischen Anhänger des Prometheus, die glauben sie seien Gottes Geschenk an die Menschheit – da draußen in Führungspositionen anrichten, weil sie ihren Glauben an den Wert der Gemeinschaft verloren haben. Jeder für sich und Gott für uns alle, right? Bullshit. Die Resultate von dieser eindimensionalen Denke sind uns allen bekannt: Konsumismus, wahnhafte Akkumulation, Klimawandel, globale Flüchtlingsströme – Selbstoptimierung auf Kosten anderer als Ersatzreligion.

    Nicht mit mir.

    Ich glaube noch an diese Uni, die Gemeinschaft und die Menschen, die sie zu dem machen, was sie ist. Vor allem glaube ich daran, dass wir als zukünftige Entscheider es besser machen können und müssen als unsere Vorgänger. Diese Uni hat den Anspruch Teamplayer – nicht Eliten – zu fördern, die als empathische Vorbilder unsere Gesellschaft in die Zukunft führen, denn so wie es aktuell läuft hat die Erde und damit wir noch ca. 50 – 100 Jahre zu leben. Sich innerlich abzustumpfen und von seiner kindlichen Faszination und Naivität zu verabschieden und dem Nachbarn gut gemeinte „heul doch bitte leise, ich muss mich auf meine Arbeit konzentrieren“ Durchhalteparolen mit auf den Weg zu geben, sind im Angesicht dieses Anspruchs und dieser großen Aufgabe keine Lösung. Aufrichtige Kommunikation hingegen schon.

    Alles, was wir den Multiplikatoren der Zukunft heute in der ZU an Vertrauen und Zuversicht mit auf den Weg geben, bekommen wir später zehnfach zurück.

    Was könnten wir gemeinsam erreichen, wenn wir uns gegenseitig in persona empathisch zuhörten, anstatt uns über Facebook anzukeifen? Was können wir im Gegenteil jedoch noch voneinander erwarten, wenn wir unsere Internet-Diskussionen zu einer Talkshow verkommen lassen, in der nicht das bessere Argument, sondern die bessere Rhetorik sticht?

    Laut einer umfangreichen Google Studie ist übrigens Vertrauen (Trust) der wichtigste Garant für den Erfolg eines Teams – nicht die Zahl der geleisteten Stunden, die Arbeitseffizienz oder der IQ seiner Mitglieder.

    Wir brauchen einen zweiten Prüfungszeitraum. Nicht weil es alle Probleme auf wundersame Weise löst, sondern weil es uns als Studierenden ein flexibleres und entspannteres Studium ermöglicht – besonders jenen, denen in der Vergangenheit ausgerechnet in der Prüfungsphase das Leben dazwischengekommen ist. Von mehr Freiheit profitieren auch alle, die diesen zweiten Prüfungszeitraum durch ihre hervorragende Selbstorganisation gar nicht brauchen, weil ihre Nachbarn ihre nachzuholenden Prüfungsleistungen entspannter aufteilen können. Violà – bessere Atmosphäre. Aber, und da muss ich Dir mein lieber Julius natürlich Recht geben: Die ZU weiß es besser, als erfolgreich getestete Elemente von anderen Unis zu übernehmen, die Studierenden mehr Flexibilität und Freiheit in ihrem Studium erlauben. Sowas haben wir nicht nötig, immerhin zahlen wir für unsere brillanten Hauslösungen.

    Zum Schluss möchte ich noch eine Sache richtigstellen, das ist mir wichtig. Meine Eltern brauchten mich nie für etwas zu motivieren. Mein Antrieb ist tief empfundener Respekt und große Dankbarkeit für das was sie mir ermöglichen; ein Praktikum gehört übrigens nicht dazu. Die habe ich mir alle selbst erarbeitet – in Eigenverantwortung.

    Die Student Lounge Diskussion um die Frage nach dem zukünftigen Zusammenleben in der Uni:
    https://www.facebook.com/events/2021643338099556/

    Ergebnisse der Google Studie: https://on.inc.com/2CUD14Q

    Heute du, morgen ich. https://www.youtube.com/watch?v=V4xpE8KG38s

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