Des Kaisers neue Hausordnung

Keith Haring, "The Labyrinth", 1989. Quelle: http://2.bp.blogspot.com/-aKKA_uSy26U/VPX1BfvwB0I/AAAAAAAAHa0/NuylK9Q7b_M/s1600/labirinto-haring.jpg

Disclaimer: Polemik. Zum Semesterende geben wir Raum für spitze Diskussion – denn es gibt Themen, denen kann man sich ob ihrer Absurdität nicht nur sachlich annehmen. Unterstützt von einer Gruppe Studierender blickt Marco auf ein Getriebe der Universität, das uns zu häufig mit Sand zum erlahmen gebracht scheint.

 

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte des heimatlosen Standortmanagements. Jenes Standortmanagement ist den Studenten natürlich bestens bekannt. Es sind die grauen Männer, die einem nicht nur Zeit, sondern vor Allem den Geist des Studentischen zu stehlen versuchen. Viele fürchten die Argusaugen so mancher minutiöseren Kontrollgänge, deren Ziel es ist, jeglichen am Schuh haftenden Schmutzpartikel von den Bänken fern zu halten. Und während der den Schuh fehlplatzierende Student nun also im Vorbeilaufen unfreundlich angebellt wird, fragt sich der Kommilitone, ob die grauen Männer nichts Wichtigeres auf der Agenda haben. Die Antwort gebe ich euch gerne: Jein! Natürlich haben die grauen Männer nichts Anderes auf der Agenda als viktorianische Erziehung an Erwachsenen. Denn das Standortmanagement ist nicht, wie viele denken, ein so wenig Zeit wie möglich beanspruchender Service zum reibungslosen Ablauf akademischen Forschen und Lebens an der ZU, sondern eine moralistisch erziehende Institution, die den Studenten auf die Frustrationen des Lebens vorbereiten will. Eine wichtige Aufgabe also! Ihr braucht Beweise? Fragt doch einfach Kommilitonen, die die FRECHHEIT besaßen, einen Raum für Inititativenzwecke zu buchen oder Veranstaltungen zu planen. In diesem Moment verzeihen wir unserem Kommilitonen seine Naivität und konzentrieren uns auf das, was nach der frechen Anfrage kommt:

Standortmanagementlebenslektion (Auch STAGNETION abkürzbar) 1:

Das Leben ist voll unnützer Bürokratie und Vorschriften

Die endlosen Mails, die dämlichen Regeln, das unnütze aufgeblasene Antworten mit pseudo-charmanter Distanz von Menschen, die ihre eigentlich Rolle innerhalb einer Organisation als Suggestion verstehen: All das gibt es in der wahren Welt da draußen, und deswegen muss der Student vom Standortmanagement vorbereitet werden.

Ihr werdet euch durch ellenlange (und in ihrer Konzeption wahrscheinlich Stunden beanspruchende) Mails wälzen, jeder Satz ein weiterer Sargnagel für eure Lust, aktiv am Leben teilzunehmen. Optimal für spätere nervige Bürokollegen, die nicht verstehen, dass man meistens alles in einem zweiminütigen Telefonat klären kann.

Ihr werdet an unnötige (und an die Wand gebohrte) Haus- und Brandschutzordnungen erinnert, deren reine Existenz ein Affront gegen einen frischen universitären Geist sind, jedoch jetzt Alpha und Omega eines verstaubten Tattergreises an Institution geworden ist. All hail the Brandschutzordnung!  Aber diese Tortur macht den gemeinen Studenten fit für die Vorschriften der deutschen Verwaltung, wenn es um Eigenheim oder Firmengründung geht. Zähneknirschend begegnet man dort Menschen, die geringes Interesse an guten Ideen haben. Hauptsache in Anlage N fehlt ja nicht die Angabe zur Bepflanzung von halbhohen Heckengewächsen! Danke Standortmanagement, dass ich bei euch gelernt habe, nicht jedes Mal ganz australisch „FUCK OFF“ zu schreien und im Kreis zu rennen, wenn ihr mich an die Brandschutzordnung erinnert. Auch habe ich mir abgewöhnt, an den gesunden Menschenverstand zu glauben. Aus manchen Dingen wächst man eben raus.

 

STAGNETION 2:

Menschen in relativen Machtsituationen muss man Honig um den Bart schmieren

Das Standortmanagement selbst trifft eigentlich keine Schuld. In der Post-Jansen-Phase hatte man nicht gemerkt, was alles mit kuriosen Ideen am SMH im Bereich Anti-Studenten-Forschung erreicht wurde. Jetzt haben wir ein mächtiges Standortmanagement und kaum Möglichkeit der Repressalie. Somit wird jeder persönlich arrangierte Termin am SMH oder Fab zum ganz eigenen Gang nach Canossa. Katzbuckelnd darf man um Gnade flehen, dass das mit Mühsal konzipierte Konzept den Raum ändern darf. Mit schweißumringten Augen wartet man auf die Antwort und freut sich dann auf ein Daumen-Hoch. Die Löwen bleiben heute hungrig.

Und wieder: In der Arbeitswelt geht es kaum anders zu. Der persönliche Assistent des Chefs ist eigentlich ein Zuarbeiter und hat innerhalb der Institution keine große Verantwortung. Aber solche Menschen haben relative Macht gegenüber jedem Würstchen, das mit dem Chef korrespondieren will. Also: Schleimen, schleimen, schleimen und sich ja nicht anmerken lassen, dass man eigentlich lieber die Tür des Chefs eintreten will, um ihm oder ihr zu sagen, dass der Assistent mit dem Klammerbeutel gepudert wurde.

Kommen wir also zur Einleitung und der Frage, warum das Standortmanagement keine Heimat hat. Ganz simpel ausgedrückt: Es passt nicht zur ZU, denn wir haben die Kaserne nicht umsonst entkernt.

Studenten brauchen keine Hausordnung. Studenten brauchen vor Allem eins: So viel Freiraum wie möglich.

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Doch wie beginnt man, diesen wiederherzustellen?

  1. Eine Möglichkeit, Raumwünsche anzugeben
  2. Weniger autoritäre Umgangsformen und Unterlassen von Drohungen
  3. Gleichbehandlung aller studentischen Initiativen (Stichwort Ermöglichungskultur). Insbesondere keine Bewertung der Veranstaltungen durch das Standortmanagement (Stichwort Servicepartner).
  4. Abhängen der festgeschraubten Hausordnung.
  5. Ende der Fetischisierung des Brandschutzes.

4 Comments

  • Max mustermann sagt:

    “””””Reflektieren”””””

  • Duckmäuser sagt:

    Ob du noch mal ne Veranstaltung machen darfst…? Lieber Marco, weißt du nicht was mit Regimekritikern im 21 Jahrhundert passiert?

  • Es Sturmt gleich sagt:

    Und wie schaffen wir es tatsächlich daran etwas zu ändern? Schließlich ist es für uns alle ein echter pain mit der Hausordnung und dem Standortmanagement…

  • Hofnarr sagt:

    Lieber Marco,
    Hier ein Tip, den du und alle weiteren Delinquenten beherzigen sollten. Die Kritik am Standortmanagement gleicht Majestätsbeleidigung. Das Standortmanagement als Berufene Ihrer Großartigkeit I.S. erfordert es von den Studiengebührzahlenden, ähm *hust* Kleinbauern, ähm *hust* Studenten sich der Gnade Gottes zu beugen. Wer nicht für das Standortmanagement ist, ist gegen das Standortmanagement. Eventuell würde das Tragen kleiner Insignien (Ringe, Mützen, Abzeichen, etc pp) helfen, um die ewige Treue zum Standortmanagement zu bekunden. Von daher im Sinne des Standortmanagements: L’état c’est moi.

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