Das “Insaview” – Unsere Präsidentin erzählt was war, kommt und bleiben soll

2016 – Ein neues Jahr beginnt und ein aufregendes Jahr 2015 geht zu Ende.

Professorin Dr. Insja Sjurts ist nun über ein halbes Jahr Präsidentin der Zeppelin Universität und Futur drei hat sie getroffen um zurück zu schauen auf eine schwierige Zeit und um zu fragen: Wie geht es weiter?

Hier im ersten Teil lest Ihr das Interview mit den Fragen von Futur drei und im zweiten Teil haben wir Insa Sjurts eure Fragen gestellt.


Futur drei: An Silvester: Raclette oder Fondue?

Sjurts: Fondue. Und zwar schon seit vielen Jahren. Ich mag es gerne, aber auch nur an Silvester. Und dann reicht mir das für die nächsten 365 Tage.

Futur drei: Und dann war es soweit – Gibt es Vorsätze?

Sjurts: Nach einem Dreivierteljahr atemlosen Arbeitens mit vielen Herausforderungen war es gut, zur Ruhe zu kommen. Und das war schön hier am Bodensee. Nun geht es für 2016 vor allen Dingen darum, dass wir das, was uns besonders macht, zum Beispiel in der Forschung, wo wir klare Themenschwerpunkte haben wie Innovation und Nachhaltigkeit, Finanzsysteme und Finanzrisiken, Entrepreneurship, Public & Private Governance, Medien und Digitalisierung, neue Formen sozialen und kulturellen Miteinanders – dass wir das noch stärker kommunizieren und mehr herausstellen.

Futur drei: Nach einem atemlosen Jahr, wie ist das jetzt wenn Sie morgens in Ihr Büro kommen?

Sjurts: Wir kommen jetzt langsam ökonomisch zur Ruhe. Das erste Dreivierteljahr war auch deswegen so atemlos, weil wir uns wirtschaftlich konsolidieren mussten. Gerne hätte ich mich mehr mit anderem beschäftigt. Aber das ging nicht. Wir mussten unsere Existenz sichern und das hat unsere ganze Kraft gekostet. An dieser Stelle vielen Dank an die Studierenden. Ich weiß, dass es schwierig war und dass es da auch Kritik und Unverständnis gegeben hat. Aber Sie haben alle wunderbar mitgeholfen. Es ist nicht so, dass jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre aus ökonomischer Sicht. Aber wir sind ein Riesenstück vorangekommen.

Futur drei: Wie weit vorangekommen?

Sjurts: Wir müssen auf dem Weg der Konsolidierung weitermachen. Aber wir können auch jetzt schon mutig in die Zukunft gucken. Es ist viel befreiter, der Druck ist weniger geworden. Und es ist schöner, jetzt mehr von dem tun zu können, was ich vermisst habe, nämlich gemeinsam strategisch arbeiten. Ich fühle mich jetzt richtig zuhause hier.

Futur drei: Was war genau das große Problem?

Sjurts: Die zentrale Baustelle war die Baustelle am FAB3. Im Sommer fehlte uns Finanzmasse, um alle Rechnungen zu begleichen. Es war eine Finanzierungslücke von vier Millionen Euro entstanden. Wir hätten das nicht begleichen können aus Rücklagen. Ich bin der Stadt dankbar, dass sie uns da unter die Arme gegriffen hat. Manches muss im neuen Zuhause noch fertig gestellt werden, aber daran arbeiten wir aktiv.

Futur drei: Wie ernst war es wirklich?

Sjurts: Ernster geht es nicht. Und deswegen können Sie vielleicht verstehen, wieso meine ganze Kraft in diesem Dreivierteljahr in die Sicherung unseres Zuhauses gegangen ist. Das hätte ich mir auch anders gewünscht, aber das sind eben die Überraschungen, die es manchmal so gibt. Aber wenn eine Herausforderung kommt, dann stelle ich mich der Herausforderung. Und ich will erfolgreich herausgehen.

Futur drei: Ist ein Ende dieses Themas in Sicht?

Sjurts: Mein Ziel ist, dass wir uns mit diesem Thema in Zukunft nicht mehr in dieser Intensität beschäftigen müssen. Bisher haben wir drei Finanzierungssäulen: Fundraising, unsere Grundfinanzierung und Ihre Studiengebühren. Wir wollen eine vierte Säule aufbauen: die Weiterbildung. Workshops und Zertifikatskurse für die Region, für unsere Förderunternehmen, für andere Unternehmen und für Alumni. Wenn man die ZU verlässt und Weiterbildungsbedarf hat, wo geht man dann hin? Da gibt es tausend Anbieter, aber es ist doch viel schöner, wenn man sagen kann, ich gehe dahin, wo ich herkomme. Daran arbeiten wir gerade intensiv. So können wir zusätzliche Mittel generieren, um zum Beispiel Lehrstühle quer zu finanzieren, es in die Forschung und Lehre zu geben. Das ist mein strategisches Ziel.

Futur drei: Wie schnell wird die Säule stehen?

Sjurts: Wir haben schon viele Nachfragen im Bereich Weiterbildung bekommen. Da schmieden wir gerade ganz verschiedene Kontakte. Aber ich muss um Geduld bitten. Wie bei jeder jungen Unternehmung: Das dauert ein bisschen.

Futur drei: Uns Studenten beschäftigt auch die Reakkreditierung. Wo stehen wir da aktuell?

Sjurts: Der Prozess ist im vergangenen Herbst angelaufen und wir arbeiten jetzt in unterschiedlichen Gruppen in den einzelnen Prüfbereichen. Man merkt, dass die ZU bereits einige solche Verfahren erfolgreich bestanden hat. Da ist viel Erfahrung und Wissen in der Organisation. Formell ist das Thema bei unserem Vizepräsidenten Karsten Rosemeier aufgehängt, der das Verfahren steuert und an dem eine Reihe von Gremien beteiligt sind. Daraus entsteht ein Gesamtdokument, das wir im Sommer beim Wissenschaftsrat abgeben werden.

Futur drei: Müssen wir uns dennoch Sorgen machen?

Sjurts: Ich bin guter Dinge, dass wir diese Reakkreditierung sehr erfolgreich hinter uns bringen werden. Sie müssen im Zusammenhang mit Akkreditierungsverfahren wissen, dass eigentlich immer Auflagen gemacht werden. Auch bei der ersten Akkreditierung gab es Auflagen an die Zeppelin Universität. Das waren positive Impulse, ein guter Prozess, der uns weiterbringt. Er ist fordernd für die Organisation und wird sicher auch zeigen, wo wir noch besser werden können. Aber genau das ist wichtig.

Futur drei: Was bereitet da schon Bauchschmerzen?

Sjurts: Es gibt Dinge, die wir erst in Angriff nehmen müssen. Wir sind gerade dabei, eine neue Grundordnung zu formulieren und zu verabschieden. In der Grundordnung ist beispielsweise auch festgelegt, dass wir eine oder einen Gleichstellungsbeauftragten haben müssen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Den Prozess müssen wir jetzt anstoßen.

Futur drei: Und etwas, das uns Studierende betrifft?

Sjurts: Zum Beispiel, dass man in dieser Selbstdokumentation sehr viel Großartiges über unsere Studierenden berichten kann – und das werden wir tun. Zum Beispiel die Initiativen. Das ist ein Pfund, mit dem die ZU wuchern kann. Unsere studentischen Projekte sind nahezu einzigartig in der Universitätslandschaft. Und sie reichen auch in den gerade erwähnten Gleichstellungs- und Diversitätsaspekt hinein, mit studentischen Initiativen wie welt_raum oder Queer.

Futur drei: Wir hatten das Gefühl, dass die Stimmung unter den Mitarbeitern zum Zeitpunkt als Sie die Präsidentschaft übernommen haben, schlecht war. Können Sie das so bestätigen?

Sjurts: Ja, da war viel Verunsicherung. Ich kann das nachvollziehen. Immer dann, wenn eine Organisation mit Veränderung konfrontiert ist, entsteht Verunsicherung. Und dann kommt auch noch jemand Neues, der nicht an der ZU sozialisiert wurde. Und wenn dann noch ökonomische Fragen aufgeworfen werden, dann ist die Unsicherheit komplett. Das ist für keine Organisation gut. Deshalb wollte ich diese Verunsicherung möglichst zeitnah auflösen und wieder Sicherheit für uns schaffen – und ich glaube, das ist gelungen. Deshalb habe ich mir auch so viel Zeit genommen, die Konsolidierung umzusetzen. Das ist das Fundament für Sicherheit, für unsere Zukunft.

Futur drei: Wie haben Sie die Verunsicherung gespürt?

Sjurts: Es gab viele Nachfragen: Was ist mit unserer ökonomischen Situation? Was bedeutet das, wenn Sparmaßnahmen ausgerufen werden? Kommt es möglicherweise zu betriebsbedingten Kündigungen? Wir haben immer gesagt: Wir wollen hier nicht aktiv Arbeitsplätze abbauen. Wir haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf dem Weg miteingebunden, und wir waren im engen Austausch mit dem Betriebsrat, dem ich sehr dankbar bin.

Futur drei: Haben Sie weitere Möglichkeiten, das Klima zu steigern?

Sjurts: Wir haben bei allen Maßnahmen immer die Statusgruppen zusammengeholt. Professoren, der Mittelbau, die Mitarbeiter aus der Verwaltung. Dieser Austausch war und ist uns sehr wichtig. Wir haben auch das Townhall-Meeting das erste Mal angesetzt im Sommer. Das hat sich bewährt und wir führen das natürlich auch fort.

Futur drei: Von den Mitarbeitern zu den Studenten: Was denken Sie über Ihr Verhältnis zu den Studenten?

Sjurts: Ich bin an die Zeppelin Universität gekommen nicht zuletzt deshalb, weil ich wusste, hier gibt es besonders engagierte, innovative und querköpfige Studierende. Hier wird man gefordert. Hier werde ich als Hochschullehrerin gefordert und hier habe ich anspruchsvolle Studierende. Ich freue mich über jede Art von Austausch. Wenn ich Mails von Studierenden bekomme, versuche ich in der Regel zurückzurufen, um direkt ins Gespräch zu kommen. Meine Tür steht immer offen. Einfach anrufen, eine Mail schreiben oder vorbei kommen. Oder mich ansprechen, wenn ich am Fallenbrunnen oder Seemooser Horn in der Mensa bin.

Futur drei: Könnte man sich da ähnliche Formate denken wie die Treffen mit Mitarbeitern?

Sjurts: Wir haben bereits das Townhall-Meeting institutionalisiert, um den direkten Austausch zwischen Geschäftsführung, Präsidien, Wissenschaftlern, Mitarbeitern und Studierenden zu befördern. Das nächste ist am 11. Februar. In diesem Format wollen wir uns offen und ehrlich über die Themen unterhalten, die Studierende bewegen oder überhaupt Fragen auslösen. Aber verstehen Sie das bitte nicht als ein Format, wo alles kanalisiert wird. Wenn Sie weitere Fragen haben, dann kommen Sie bitte jederzeit persönlich auf uns zu.

Futur drei: Gibt es unter den Studierenden so etwas wie eine „Früher war alles besser“-Mentalität?

Sjurts: Ich glaube schon. Aber das ist zutiefst menschlich. Man romantisiert gelegentlich Vergangenheit, findet alles schön, und die Dinge die schwierig waren, die hat man auch schnell vergessen. Das ist normal, und das akzeptiere ich auch.

Futur drei: A propos „früher“: Wieso haben wir von der SMH-Problematik aus der Zeitung erfahren?

Sjurts: Von dem Thema SMH haben Sie deshalb erfahren, weil wir dazu in einem ganz frühen Stadium der Gespräche gewesen sind. Sorry, dass es über die Presse kam. Wir befinden uns nach wie vor in einem sehr frühen Stadium; wenn es tatsächlich weiter gehen sollte, werden wir das natürlich mit allen Statusgruppen und in den Gremien diskutieren.

Futur drei: Gibt es da etwas, was wir nicht wissen?

Sjurts: Nein, bislang ist noch nichts weiter vorangegangen bei diesem Thema. Da wird schon noch einige Zeit ins Land gehen.

Futur drei:. Wenn man sich aus studentischer Sicht in den Initiativen bewegt, haben da viele das Gefühl, dass sich die Initiativen und die Universität ein Stück weit voneinander distanziert haben.

Sjurts: Für mich persönlich sind die Initiativen Topthema. Ich habe sie beim Sommerfest und beim Initiativen-Stammtisch näher kennengelernt und bin absolut begeistert. Wir haben jetzt eine zusätzliche studentische Hilfsstelle bereitgestellt, um die Events der studentischen Initiativen zu organisieren. Die Initiativen sind Kern der Zeppelin Universität. Was ich tun kann um sie zu fördern, das werde ich auch tun.

Futur drei: Friedrichshafen und die ZU. Finden Sie, dass das Verhältnis zur Stadt besser geworden ist?

Sjurts: Die Zeit vor mir kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, dass wir im vergangenen dreiviertel Jahr eine sehr vertrauensvolle und offene Beziehung entwickelt haben. Mir ist es wichtig, dass die Universität mit der Region tief verbunden ist. Dass wir auch zeigen: Wir geben der Region etwas zurück. Denn wir leben hier nicht allein. Diese Verbindung ist auch etwas, das uns tragen wird in der Zukunft.

Futur drei: Muss die Uni dafür in Vorleistung gehen? Was erwartet die Stadt von uns?

Sjurts: Ich glaube die Stadt erwartet – und das würde jeder Kooperationspartner erwarten – Offenheit, Transparenz, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Und genau so handeln wir.

Futur drei: Wird es etwas geben, was sich für uns Studenten verändern wird? Gibt es Punkte, die Stadt und ZU ausmachen, die sich auf uns auswirken?

Sjurts: Meine Hoffnung ist, dass wir alle, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Studierende, als ZUler, noch viel mehr in die Herzen der Häflerinnen und Häfler aufgenommen werden. Und das entwickelt sich.

Futur drei: Zumal das ja lange nicht so gut funktioniert hat.

Sjurts: Mhm..   

 

#UniFragtSjurts

Das Interview mit euren Fragen erscheint diesen Freitag hier bei Futur drei!

 

 

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